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Ehrendoktorwürde für Kardinal Marx

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 20. November 2019 - 13:54

Kardinal Reinhard Marx hat die Ehrendoktorwürde des Institut Catholique de Paris erhalten. Der Erzbischof von München und Freising und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz erhielt die Auszeichnung im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich 130 Jahren Theologische Fakultät des Institut Catholique am Dienstagabend, 19. November, in Paris.

Die katholische Universität ehrt in Kardinal Reinhard Marx nach eigenen Worten einen „Vir  ecclesiasticus“, einen „Mann der Kirche, der – tiefverwurzelt in der Schrift und in der Tradition – zeitgenössische soziale Realitäten prüft und sich für die Glaubwürdigkeit der Kirche in der heutigen Zeit einsetzt“. Zugleich sei Marx, der von 2012 bis 2018 Vorsitzender der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union war, ein „überzeugter Europäer und entschlossener Handwerker des Dialogs“, wie es in der Würdigung der Universität heißt. Als „Theologe der Kirche und der sozialen Moral“ gehe es ihm darum, „die reellen Probleme in Angriff zu nehmen und Lösungsansätze zu suchen“.  Schließlich ehre das Institut Catholique in Marx „einen prominenten Alumnus und leidenschaftlichen Frankophilen, auf den der Aufenthalt in der Diözese Paris einen tiefen Eindruck hinterlassen hat“.

Unter den mit der Ehrendoktorwürde des Institut Catholique de Paris Ausgezeichneten sind Justin Welby, der anglikanische Erzbischof von Canterbury, und der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I.

Quelle: Pressestelle Erzbistum München und Freising

Ständiger Rat der Deutschen Bischofskonferenz befasst sich mit dem Sachstand der Konsequenzen aus der MHG-Studie

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 19. November 2019 - 12:22

Der Ständige Rat hat sich auf seiner heutigen Sitzung (19. November 2019) mit dem Sachstand der Konsequenzen aus der Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ (MHG-Studie) befasst. Dabei konnten unter anderem die Fassungen der „Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Kleriker, Ordensangehörige und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ sowie der „Rahmenordnung Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und erwachsenen Schutzbefohlenen im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ von 2013 umfassend überarbeitet und verabschiedet werden. Die Leitlinien sind künftig eine Ordnung. Beide Dokumente werden in den nächsten Wochen veröffentlicht.

Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier), Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes, hat außerdem über den Stand der Beratungen in der Frage nach der Überprüfung und Weiterentwicklung des Verfahrens zu Leistungen in Anerkennung zugefügten Leids berichtet. Dieses Thema wurde zuletzt während der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im September 2019 behandelt.

Ziele sind eine größere Einheitlichkeit des Verfahrens, Transparenz, Unabhängigkeit und Betroffenenorientierung. Ein neues Verfahren soll für minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs sowie schutzbedürftige Erwachsene gelten. Allen Beteiligten ist klar, dass eine Überarbeitung des Verfahrens weiter vorangetrieben werden soll, es bei der komplexen Thematik aber gleichzeitig Zeit, Sorgfalt und umfangreiche Abstimmungsprozesse braucht. Bischof Ackermann wird außerdem das kontinuierliche Gespräch mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig, führen. Er wird weitere Schritte in der Frage des Verfahrens zur nächsten Sitzung des Ständigen Rates Ende Januar 2020 vorlegen.

Deutsche Bischofskonferenz veröffentlicht Arbeitshilfe zur Situation der Christen in der Sahel-Region

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 18. November 2019 - 10:34

Die Deutsche Bischofskonferenz stellt am 27. November 2019 in Berlin eine Arbeitshilfe zur Situation der Christen in der Sahel-Region vor. Die Veröffentlichung ist Teil der Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“. Die Arbeitshilfe Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit – Sahel-Region gibt einen Überblick über die Situation der Christen in der Sahel-Region, insbesondere im Tschad. Sie erläutert aktuelle Konfliktlinien in den Gesellschaften, analysiert die Hintergründe und lässt Mitglieder der Ortskirche zu Wort kommen. Die deutschen Bischöfe wollen durch ihre jährliche Initiative die Auseinandersetzung mit der Diskriminierung und Verfolgung von Christen, die in vielen Teilen der Welt weiter anhält, auf möglichst breiter Ebene lebendig halten.

Christen und Muslime haben traditionell harmonisch in der Sahel-Region zusammengelebt. Dieses gute Miteinander ist durch die Entwicklung der vergangenen Jahre in Gefahr geraten. Die islamistische Terrororganisation Boko Haram destabilisiert die Region immer wieder durch Terroranschläge und brutale Gewalt, die sich auch gegen Kirchen und Vertreter von Religionsgemeinschaften richten. Die starke Einflussnahme Saudi-Arabiens, das heißt die Förderung des radikal wahhabitischen Islam in der Region, hat ebenfalls zu Spannungen zwischen Christen und Muslimen geführt. In der Folge wurden auch soziale Konflikte – wie die Auseinandersetzung zwischen nomadischen Viehzüchtern und sesshaften Bauern – in gefährlicher Weise religiös aufgeladen.

Bei einem Pressegespräch wird die Arbeitshilfe vorgestellt und über die Situation der Christen in der Sahel-Region informiert. Interessierte Medienvertreter sind hierzu herzlich eingeladen am

Mittwoch, 27. November 2019,
um 10.30 Uhr
im Kommissariat der deutschen Bischöfe
(Katholisches Büro in Berlin)
Hannoversche Straße 5, 10115 Berlin.

Als Gesprächspartner stehen zur Verfügung:

  • Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, der die Arbeitshilfe vorstellen und von seinem Besuch im Tschad im Juni berichten wird;
  • Erzbischof Edmond Djitangar (N’Djaména, Tschad), der für Gespräche über das Zusammenleben der Gläubigen der verschiedenen Religionsgemeinschaften im mehrheitlich muslimisch geprägten Tschad zur Verfügung steht;
  • Pfarrer Dirk Bingener (Aachen), Präsident des katholischen Hilfswerks Missio, der das Engagement des Hilfswerkes in der Sahel-Region und im Bereich des christlich-islamischen Dialogs vorstellt.


Hinweis:

Interessierte Medienvertreter sind gebeten, sich für dieses Pressegespräch bei der Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz mit einer formlosen E-Mail (pressestelle(at)dbk.de) anzumelden.

Gebetszettel für den Synodalen Weg veröffentlicht

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 14. November 2019 - 12:01

Für den Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland ist heute (14. November 2019) ein Gebetszettel veröffentlicht worden. Das Gebet soll den Synodalen Weg begleiten, der am ersten Advent beginnt. Der Gebetszettel zeigt eine Emmaus-Zeichnung von Christel Holl, im Innenteil ist der Gebetstext abgebildet und das Logo des Synodalen Weges auf der Rückseite.

In diesem Gebet heißt es unter anderem: „Wir bitten Dich: Sende uns den Heiligen Geist, der neues Leben schafft. Er stehe unserer Kirche in Deutschland bei und lasse sie die Zeichen der Zeit erkennen. Er öffne unser Herz, damit wir auf Dein Wort hören und es gläubig annehmen. Er treibe uns an, miteinander die Wahrheit zu suchen. Er stärke unsere Treue zu Dir und erhalte uns in der Einheit mit unserem Papst und der ganzen Kirche. Er helfe uns, dass wir Deine Gerechtigkeit und Deine Barmherzigkeit erfahrbar machen. Er gebe uns die Kraft und den Mut, aufzubrechen und Deinen Willen zu tun.“


Hinweise:

Der Gebetszettel im Format 14,5 x 9,5 cm kann in der Rubrik Publikationen bestellt werden. Dort ist dieser auch als pdf-Datei verfügbar.

Informationen zum Synodalen Weg finden Sie unter www.zdk.de und auf der Themenseite Synodaler Weg sowie ab dem 1. Dezember 2019 unter www.synodalerweg.de.

Deutsche Bischofskonferenz veröffentlicht Textsammlung zu den katholisch-jüdischen Beziehungen

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 14. November 2019 - 10:40

Die Deutsche Bischofskonferenz hat heute (14. November 2019) eine Arbeitshilfe mit wichtigen Texten zu den katholisch-jüdischen Beziehungen seit der Konzilserklärung Nostra aetate (1965) veröffentlicht. Sie trägt den Titel eines Zitats von Papst Franziskus: „Gott wirkt weiterhin im Volk des Alten Bundes“. Die Textsammlung umfasst kirchenamtliche Dokumente, die von verschiedenen Bischofskonferenzen, der Päpstlichen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum und der Päpstlichen Bibelkommission zum Judentum veröffentlicht wurden, sowie jüdische Erklärungen zum Christentum. Sie gibt damit einen guten Einblick in den gegenwärtigen Stand des christlich-jüdischen Gesprächs.

„Wir müssen die Ergebnisse des christlich-jüdischen Gesprächs der vergangenen 50 Jahre stärker als bislang in den Gemeinden, in der Schule und in der Erwachsenenbildung bekannt machen. Dazu soll die neue Arbeitshilfe beitragen“, so Bischof Dr. Ulrich Neymeyr (Erfurt), Vorsitzender der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum der Deutschen Bischofskonferenz, und weiter: „Die Textsammlung ist nicht nur ein Informationsangebot. Die abgedruckten Dokumente wollen die Leserinnen und Leser motivieren, selbst am christlich-jüdischen Dialog teilzunehmen und die Zukunft der jüdisch-christlichen Beziehungen aktiv mitzugestalten.“ Angesichts des zunehmenden Antisemitismus sei die Aufklärung über das christlich-jüdische Verhältnis eine dringliche pastorale und katechetische Aufgabe.


Hinweis:

Die Arbeitshilfe „Gott wirkt weiterhin im Volk des Alten Bundes“ (Papst Franziskus). Texte zu den katholisch-jüdischen Beziehungen seit Nostra aetate ist als pdf-Datei in der Rubrik Publikationen verfügbar. Dort kann diese auch als Broschüre (Arbeitshilfen Nr. 307) bestellt werden.

Erklärung zum Welttag der Armen am 17. November 2019

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 12. November 2019 - 11:12

Der Welttag der Armen, den Papst Franziskus für die Kirche erstmals 2017 ausgerufen hat, wird in diesem Jahr am Sonntag, 17. November 2019, begangen. Die Botschaft von Papst Franziskus steht unter dem Psalmwort: „Der Elenden Hoffnung ist nicht für immer verloren“ (Ps 9,19). Anlässlich des Welttags der Armen erklärt der Vorsitzende der Pastoralkommission und der Unterkommission Frauen in Kirche und Gesellschaft der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück):

„Papst Franziskus dankt in seiner Botschaft allen, die sich weltweit mit den Armen solidarisieren und für die Bekämpfung von Armut und ihrer Ursachen einsetzen. Als Vorsitzender der Unterkommission Frauen in Kirche und Gesellschaft danke ich in diesem Zusammenhang ausdrücklich den Frauen. Denn es sind vor allem Frauen, die sich bei uns in den verschiedenen Bereichen der Caritas und diakonischen Pastoral mit Menschen in Not solidarisieren. Glaubwürdigkeit und Realitätsnähe des christlichen Glaubens, so der Papst, zeige sich in diesem persönlichen Engagement für die Armen im eigenen sozialen Umfeld. Armut hat viele Gesichter: die existenzielle Armut ist eine der schrecklichsten Formen. Aber auch Ausgrenzung von der gesellschaftlichen Teilhabe und Vereinsamung sind aktuelle Formen der Armut.

Ich möchte heute besonders an Altersarmutsrisiken von Frauen in unserem Land erinnern. Mehr als jede vierte alleinstehende Neurentnerin wird – wie neuere Untersuchungen zeigen – in den kommenden Jahren die staatliche Grundsicherung nötig haben. Alleinstehende Frauen haben ein rund viermal höheres Armutsrisiko als der Durchschnitt. Die Gründe sind vielfältig: Tätigkeit in typischen Frauenberufen beziehungsweise in geringer entlohnten Dienstleitungsberufen, Brüche in der Erwerbsbiografie, Teilzeitarbeit usw. Verstärkt wird das Armutsrisiko bei Frauen, die lange alleinerziehend waren, die kein Wohneigentum besitzen, bei Spätaussiedlerinnen, die in Deutschland keine entsprechende Anstellung fanden, und überhaupt bei Migrantinnen. Die Folgen von Altersarmut in Deutschland sind vor allem sozialer Natur. Die eigene kleine Rente und die Grundsicherung ermöglichen Wohnen, Essen und Kleidung. Aber für das Ausgehen mit Freunden, den Ausflug, die Mitgliedschaft in Vereinen, die Teilnahme an Bildungs- oder Freizeitveranstaltungen, den Besuch von Konzerten, Museen, Kinos oder gar einen Urlaub reicht das Geld nicht mehr. Die schwindende gesellschaftliche Teilhabe führt zur Vereinsamung mit all ihren Folgen für soziale Beziehungen, für die physische und psychische Gesundheit.

Innerhalb des Synodalen Weges bemühen wir uns in der Kirche in Deutschland aktuell darum, den Ausschluss beziehungsweise die unzureichende Teilhabe von Frauen an der Macht in der Kirche zu überwinden. Auch das ist eine Ungerechtigkeit, unter der viele Menschen, Frauen wie auch Männer, in der Kirche leiden. Der Welttag der Armen weitet unseren Blick für weitere Notsituationen, die ebenfalls nach Geschlechtergerechtigkeit rufen. Gerechtigkeit und so auch Geschlechtergerechtigkeit kann es immer nur für alle geben. Der Mentalitätswandel, den Papst Franziskus in seiner diesjährigen Botschaft fordert, ruft die Kirche in Deutschland dazu auf, aus geschlossenen Milieus auch der Gemeinden aufzubrechen und sowohl kreativ wie aktiv Armutsrisiken im eigenen Umfeld zu bekämpfen. Dazu gehören unter Berücksichtigung der besonders hohen Altersarmutsrisiken von Frauen hierzulande zum Beispiel:

  • die Überprüfung von Frauen- und Familienbildern, die Armutsrisiken befördern;
  •  politische Bemühungen um eine angemessene Würdigung von Sorgearbeit innerhalb und außerhalb der Familie;
  • die Förderung einer Kirchenentwicklung, in der vielfältige Lebensformen und damit auch Alleinstehende ihren Platz finden, und die die Solidarität untereinander stärkt;
  •  der Einsatz für bezahlbaren Wohnraum gerade für alleinstehende ältere Frauen in der örtlichen Gemeinde;
  • und die sensible Weiterentwicklung einer Seniorinnenpastoral und neuer Engagementformen für von Armut betroffene Frauen.

Dabei geht es um den Kern unseres Glaubens, wie Papst Franziskus schreibt: ‚Damit die Jünger des Herrn glaubwürdige Verkünder des Evangeliums sein können, ist es notwendig, dass sie konkrete Zeichen der Hoffnung aussäen. Ich bitte alle christlichen Gemeinschaften…, sich dafür einzusetzen, dass dieser Welttag in vielen den Wunsch nach einer tätigen Mithilfe stärke, damit es niemand an Nähe und Solidarität fehlt.‘“

Bischof Timmerevers spricht vor der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Dresden

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 10. November 2019 - 11:00

Mit einem Appell, als ökumenisch verbundene Kirchen gemeinsam den „Schrei nach Gerechtigkeit und Frieden“ zu hören, hat Bischof Heinrich Timmerevers (Dresden-Meißen) heute (10. November 2019) bei der sechsten Tagung der 12. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Dresden gesprochen. Das Schwerpunktthema der Synode „Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens“ treffe mitten ins Herz des christlichen Glaubens.

„Indem wir als Kirchen diesen Ruf vernehmen und ernstnehmen, stellen wir uns radikal auf die Seite der Ärmsten. Das Friedensengagement der Kirchen ist somit Ausdruck der vorrangigen Option für die Armen, die lebenspraktisch wirksam werden kann und muss“, sagte Bischof Timmerevers. „Eine Kirche, die so auf dem Weg zu Gerechtigkeit und Frieden ist, ist dann auch immer eine Kirche, die ihren Weg gemeinsam mit den betroffenen Menschen geht.“

Mit Blick auf die Lage in der katholischen Kirche erinnerte Bischof Timmerevers an die laufende Verpflichtung, Konsequenzen aus den Fällen sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige zu ziehen, deren Ausmaß bedrückend sei. Neben der Notwendigkeit der direkten Aufarbeitung und unmittelbarer Maßnahmen der Prävention arbeite man auch an strukturellen Defiziten, die Missbrauch zwar nicht verursachten, wohl aber begünstigten. „Dies hat die Deutsche Bischofskonferenz zum Anlass genommen, gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken einen Synodalen Weg zu beschließen, der auf der gemeinsamen Suche nach Schritten zur Stärkung des christlichen Zeugnisses die Klärung von zentralen Problemfeldern anstrebt“, so Bischof Timmerevers. Er fügte hinzu: „Da sich die katholische Kirche in Deutschland mit ihren Schwestern und Brüdern in anderen Kirchen und christlichen Gemeinschaften eng verbunden weiß und damit in den Sitzungen der Synodalversammlungen und in der Arbeit der Synodalforen ihre verschiedenen Perspektiven auf die zu beratenden Themen- und Handlungsfelder zu Wort kommen können, sollen auch Beobachterinnen und Beobachter aus der Ökumene zum Synodalen Weg eingeladen werden.“

Bischof Timmerevers würdigte in seinem Grußwort im Namen der Deutschen Bischofskonferenz auch das gute ökumenische Miteinander, „das über viele Jahre gewachsen ist und uns im Reformationsjahr 2017 noch einmal einander näher gebracht hat“. Die evangelische Kirche bat er um das begleitende Gebet für den Synodalen Weg. „Wir stehen als Christen in unserem Land, in dem der Resonanzboden für den christlichen Glauben und wohl auch für den Glauben generell kleiner zu werden scheint, vor ähnlichen Herausforderungen, Menschen mit der Frohen Botschaft in Kontakt zu bringen. Dabei verstehen wir uns – gottlob – nicht als Konkurrenten. Im Gegenteil: Unser christliches Zeugnis ist umso stärker, je glaubwürdiger jeder einzelne Christ und jede einzelne Kirche und Gemeinschaft ist und je mehr es uns gelingt, auf dem weiteren ökumenischen Weg die bestehende Verbundenheit unter uns mit Leben zu füllen und sichtbar zu machen.“



Hinweis:

Das Grußwort von Bischof Timmerevers ist untenstehend als pdf-Datei verfügbar.

Logo des Synodalen Weges vorgestellt

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 8. November 2019 - 10:27

Das Logo für den Synodalen Weg haben heute (8. November 2019) Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Prof. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), und Karin Kortmann, Vizepräsidentin des ZdK, vorgestellt. Die Wort-Bild-Marke soll den Synodalen Weg begleiten und ist das Markenzeichen des Prozesses.

„Der Wegweiser steht für Aufbruch, Erneuerung und Orientierung. Wir sind als Kirche gemeinsam unterwegs. Der Weg wird sicher nicht immer eben sein. Doch wir gehen ihn zusammen und das verbindet uns“, so Kardinal Marx. „Rund drei Wochen vor dem Beginn des Synodalen Weges nimmt dieser konkret Gestalt an. Der Wegweiser, der in seiner Grundform das Kreuz bildet, wird zum offenen Raum. So wollen auch wir uns gegenseitig Offenheit entgegenbringen und Raum geben, uns aber immer gewiss sein: Wir gehen den Synodalen Weg gemeinsam“, erklärt Prof. Dr. Sternberg.



Hinweise:

Das Logo des Synodalen Weges ist in verschiedenen Datei-Formaten (eps, jpg, pdf, png, psd, svg) und Farbgebungen (CMYK, Graustufen, schwarz-weiß, weiß) unter www.zdk.de und auf der Themenseite Synodaler Weg verfügbar. Die Logobeschreibung sowie juristische Hinweise zur Logoverwendung finden Sie untenstehend als pdf-Datei sowie ebenfalls unter www.zdk.de und auf der Themenseite Synodaler Weg. Das Logo ist urheber- und markenrechtlich geschützt.

Weitere Informationen zum Synodalen Weg finden Sie unter www.zdk.de und auf der Themenseite Synodaler Weg sowie ab dem 1. Dezember 2019 unter www.synodalerweg.de.

Statement von Erzbischof Heße zur ersten Einreise von Flüchtlingen über das Pilotprogramm „Neustart im Team“

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 7. November 2019 - 16:26

Der Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen und Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), äußert sich heute (7. November 2019) zur ersten Einreise von Flüchtlingen nach Deutschland über das Pilotprogramm „Neustart im Team“ (NesT):

„Die Kirche hat sich in den vergangenen Jahren stets für die Schaffung sicherer und legaler Zugangswege eingesetzt, damit Schutzsuchende nicht gezwungen sind, die lebensgefährlichen Fluchtrouten, beispielsweise über das Mittelmeer, auf sich zu nehmen. Durch das vom Bundesministerium des Innern ins Leben gerufene Programm ‚Neustart im Team‘ (NesT) können sich Kirche und Zivilgesellschaft nun auch aktiv daran beteiligen, Flüchtlingen eine sichere Einreise zu ermöglichen. Als Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen habe ich in den vergangenen Monaten immer wieder für dieses Pilotprojekt geworben, an dessen Gestaltung wir als Kirche auch beteiligt waren. Es freut mich sehr, dass dank des tatkräftigen Engagements des Erzbistums Köln und einer katholischen Kirchengemeinde heute die ersten Schutzsuchenden einreisen konnten. Die ehrenamtlich engagierten Gemeindemitglieder setzen um, wozu uns Papst Franziskus aufgerufen hat: ‚aufnehmen, schützen, fördern, integrieren‘. Ich wünsche den Ehrenamtlichen und den Flüchtlingen Gottes reichen Segen und hoffe, dass weitere Christen durch dieses Beispiel ermutigt werden, sich an dem Programm zu beteiligen.“

Arbeitstreffen der Kommission Weltkirche mit dem vatikanischen „Außenminister“ Erzbischof Gallagher

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 5. November 2019 - 9:31

Zu einem Arbeitstreffen sind gestern (4. November 2019) der Sekretär der Sektion für die Beziehungen mit den Staaten im Staatssekretariat des Heiligen Stuhls, Erzbischof Dr. Paul Gallagher, und die Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn zusammengekommen. In der Begegnung wurden die aktuellen Schwerpunkte der vatikanischen Außenpolitik und Fragen der internationalen Arbeit der deutschen Bischöfe thematisiert. Die Situation im Nahen Osten und in China, die Krisen in Lateinamerika und die Förderung der Religionsfreiheit standen im Mittelpunkt des Gesprächs.

„Das weltkirchliche Engagement unserer Bischofskonferenz und auch der Hilfswerke wird nicht nur mit anderen Ortskirchen abgestimmt, sondern auch mit den verantwortlichen Stellen in Rom. Wir gehen auf gemeinsamen Wegen. So verwirklicht sich die Weltkirche, und so entwickeln wir unsere Stärke“, erklärte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), zum Abschluss des Treffens. „Seit Jahrzehnten helfen die Ortskirchen in Deutschland der Kirche in aller Welt“, so Erzbischof Gallagher. „Diese Solidarität, die besonders den Armen gilt, ist geradezu ein Markenzeichen der deutschen Katholiken. Wir alle dürfen dafür dankbar sein.“

Fachtagung der Deutschen Bischofskonferenz und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 4. November 2019 - 14:42

Erstmals haben die Deutsche Bischofskonferenz und die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschlands eine gemeinsame Fachtagung zu aktuellen Fragen des theologischen Dialogs zwischen Kirche und Judentum durchgeführt, die heute (4. November 2019) in Berlin zu Ende gegangen ist. Das Symposium stand unter dem Leitwort „Zwischen Jerusalem und Rom“. Seit mehreren Jahren gibt es regelmäßige Gespräche zwischen Rabbinern und der katholischen Kirche.

Mit der Erklärung „Zwischen Jerusalem und Rom. Gedanken zu 50 Jahre Nostra aetate“ (2017) haben die führenden Vereinigungen orthodoxer Rabbiner in Europa und Nord-Amerika und das Israelische Oberrabbinat erstmals ihr Verhältnis zum Christentum und zur katholischen Kirche bestimmt. Ende 2015 hatte die Päpstliche Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum in ihrer Erklärung „Denn unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt (Röm 11,29). Reflexionen zu theologischen Fragestellungen in den katholisch-jüdischen Beziehungen aus Anlass des 50jährigen Jubiläums von Nostra aetate (Nr. 4)“ die Kernaussagen der Konzilserklärung Nostra aetate bekräftigt und weiterführende Überlegungen zum christlich-jüdischen Verhältnis vorgelegt. Damit ist mit den Worten von Papst Franziskus „ein fruchtbarer Moment im Dialog“ erreicht.

Mit der Fachtagung analysierten die katholischen Vertreter unter Leitung des Vorsitzenden der Unterkommission der Deutschen Bischofskonferenz für die religiösen Beziehungen zum Judentum, Bischof Dr. Ulrich Neymeyr (Erfurt), zusammen mit Rabbinern aus dem gesamten Bundesgebiet unter Vorsitz von Rabbiner Avichai Apel (Frankfurt am Main), die Hintergründe und Kernaussagen der Erklärungen.

Die Fachtagung sei ein wichtiger Beitrag zum jüdisch-katholischen Dialog, erklärte Bischof Neymeyr. „Es ist ein fruchtbarer Austausch über das Verständnis der Religion des anderen – und das kurz nach dem versuchten Überfall auf die Synagoge in Halle. Dieser war die Spitze eines Eisbergs, nicht nur des Judenhasses im Internet, sondern auch eines weit verbreiteten Antisemitismus in unserer Gesellschaft“, sagte Bischof Neymeyr. „Es ist bitternötig, die christlichen Wurzeln des Antijudaismus zu bekämpfen.“ Alle Katholiken müssten wissen, dass ihre Kirche die Juden als das Volk Gottes sehe, das mit Gott in einem ungekündigten Bund lebe. „Papst Johannes Paul II. hat die Juden bewusst als ‚unsere älteren Brüder‘ angesprochen.“

Rabbiner Apel betonte, dass gerade in schwierigen Zeiten, in denen das gegenseitige Vertrauen auf eine harte Probe gestellt wird, das Bemühen um den Dialog und das gegenseitige Verständnis verstärkt werden muss. „Das Zusammenkommen von Bischöfen und Rabbinern  soll das friedliche Miteinander im Alltag, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft oder in Vereinen fördern.“

Prof. Dr. Barbara Schmitz (Universität Würzburg, Lehrstuhl für Altes Testament) betonte, dass der Anschlag von Halle in erschreckender Weise vor Augen geführt habe, „wie fragil und zerbrechlich die politischen und zivilgesellschaftlichen Anstrengungen in unserem Land, im Land der Täter und im Land der Shoah, sind. Es reicht aber nicht hier nur auf politisches und zivilgesellschaftliches Engagement zu verweisen, sondern es muss für uns als Kirche auch um die theologische Aufarbeitung struktureller und auch institutionell gebundener antijüdischer Stereotypen und ihrer Wirkmacht in der kirchlichen Gegenwart von heute gehen.“

P. Dr. Christian Rutishauser SJ (Zürich, Provinzial der Schweizer Jesuiten) würdigte das Dokument der Päpstlichen Kommission für die Beziehungen zum Judentum als ersten Text seit dem Konzil, das sich ganz systematisch theologischen Fragen widmet. „Hier werden 50 Jahre von vertieftem Dialog deutlich, von verlässlichen Partnern und Freunden, die auch Irritationen im Dialog fruchtbar machen können.“ Die zentrale Frage sei, wie die Glaubensüberzeugung vom „ungekündigten Bund“ Gottes mit Israel mit dem Glauben an Jesus als Mittler des Heils für alle Menschen zusammengehen könne. „Es geht nicht um eine Judenmission durch Christen. Natürlich müssen Christen überall ihren Glauben bezeugen. Wir brauchen einen Dialog, aber keine Mission“, so P. Rutishauser.

Übereinstimmende Auffassung der Teilnehmer der Fachtagung war, dass die beiden Erklärungen einer weiteren vertieften Debatte, auch im Vatikan, bedürfen. Dazu gehören die Frage nach dem Missionsbegriff und die Überlegung, wie ein weiterer Dialog aussehen kann. Insbesondere mahnten die Teilnehmer eine konstruktive und intensive Erinnerungskultur und eine Verwurzelung des jüdisch-katholischen Dialogs in Pfarrgemeinden, Bildungseinrichtungen und der theologischen Ausbildung für angehende Priester und Rabbiner an.

Bereits gestern Abend hatte es im Rahmen der Fachtagung eine öffentliche Podiumsveranstaltung gegeben, in der aktuelle Fragen des wachsenden Antisemitismus in Deutschland und Europa beleuchtet wurden.

Logo des Synodalen Weges wird vorgestellt

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 4. November 2019 - 10:24

Gut drei Wochen vor Beginn des Synodalen Weges in Deutschland wird das Logo für den Synodalen Weg vorgestellt. Die Wort-Bild-Marke soll den Synodalen Weg begleiten. Sie ist das Markenzeichen des Prozesses.

Die Kolleginnen und Kollegen der Medien sind eingeladen zu einem Fototermin, bei dem das Logo vom designierten Präsidium des Synodalen Weges vorgestellt wird: Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Bischof Dr. Franz-Josef Bode, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, sowie Karin Kortmann, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und Prof. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des ZdK, am

Freitag, 8. November 2019, 13.00 Uhr,
im Foyer des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz,
Kaiserstraße 161, 53113 Bonn.


Aus organisatorischen Gründen bitten wir um eine formlose Anmeldung an  pressestelle(at)dbk.de.

Politik und Religion diskutierten über wachsenden Antisemitismus in Europa

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 4. November 2019 - 9:02

Ein stärkeres gesellschaftliches Engagement und einen besseren Zusammenhalt der Gesellschaft hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, anlässlich des wiedererstarkenden Antisemitismus in Deutschland und Europa gefordert. Das sei eine gemeinsame Sorge von Christen und Juden, die „sich niemals mehr voneinander trennen werden“, so Kardinal Marx auf einem Podium in Berlin gestern Abend (3. November 2019). Bei der von der Deutschen Bischofskonferenz und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands durchgeführten Veranstaltung fragte der Kardinal, wie künftig eine offene Gesellschaft aussehen könne. „Ich bin in großer Sorge, weil ich unsere Gesellschaft erlebe, in der es immer mehr ‚closed shops‘, Blogs und Ideologien von Menschen gibt, die sich nicht belehren lassen, die sich in Verschwörungstheorien ergehen und rasch einen Resonanzboden für dumpfe Parolen des Antisemitismus finden.“

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, erläuterte, dass die Ereignisse von Halle in den vergangenen Wochen an der jüdischen Gemeinschaft gezehrt und zu Verunsicherung geführt hätten. Hier sieht er auch künftig eine hohe Verantwortung bei den  Sicherheitsbehörden. In Deutschland sei es möglich geworden, Dinge – vor allem antisemitischer Natur – auszusprechen, was es vor einigen Jahren so noch nicht gegeben hätte. „Das ist ein Verschieben von roten Linien“, so Schuster. Die vielen Solidaritätsbekundungen seien ein hoffnungsvolles Zeichen gewesen. „Was wir brauchen, ist sehr kostengünstig zu haben: Wir brauchen Zivilcourage eines jeden Einzelnen. Zivilcourage kann unser Land verändern. Dann wäre eine Menge erreicht.“

Zur Zivilcourage gehört nach Auffassung von Rabbiner Julian-Chaim Soussan, Beiratsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands, vor allem Bildung auf allen Ebenen. „Die Möglichkeit für geistige Brandstifter beim Antisemitismus hat Formen angenommen, die niemand für möglich gehalten hätte. Deshalb muss ein Konsens der gesellschaftlichen und politischen Mitte gestärkt werden, eine Mitte, die sich auf Demokratie und Werte verständigt“, so Soussan. Weil Antisemitismus die „Qualität“ habe, immer und überall und zu jeder Zeit zu funktionieren, sei es Aufgabe der Erzieher in den Bildungsbereichen hier zu antworten: „Es darf keine Bagatellisierung von Antisemitismus in den Schulen geben. Deshalb brauchen wir ein Miteinander, das Begegnung möglich macht, das Kennenlernen der jeweils anderen Religion“, forderte Soussan.

Diesen Aspekt griff der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet auf: Es sei Empathie gefragt, um Kinder und Jugendliche zu erreichen, auch um ihnen Erinnerungskultur zu vermitteln. Er erinnerte an den Jugendaustausch der Bundesländer mit Yad Vashem in Jerusalem und eine Reise mit muslimischen Jugendlichen nach Auschwitz. „Gerade dann, wenn die Barbarei sich Bahn bricht, müssen wir junge Menschen gewinnen, die dagegen aufstehen. Das ist eine Investition in die Zukunft“, sagte Laschet. Gleichzeitig warb er für ein Reden über Religion: „Religion muss im öffentlichen Raum stattfinden, sonst wird es bald eine radikale Säkularisierung geben. Wenn wir nicht mehr über Religion reden – und zwar vom Kindergarten an –, dann wird man künftig religiöse Symbole nicht mehr verstehen und das Reden über Religion noch schwieriger.“ Der Antisemitismus, so Ministerpräsident Laschet, sei seit 1945 nie ganz verschwunden. „Er war immer da, er hat sich nur unterschiedlich artikuliert. Deshalb muss der Kampf gegen den Antisemitismus – überall in Europa – in jeder Generation bei Null beginnen.“

Diese Forderung bekräftige die Antisemitismusbeauftragte der Europäischen Kommission, Katharina von Schnurbein: „Jede Generation sei verpflichtet, ja wir alle müssen aufstehen, um jeder antisemitischen Hassrede zu widersprechen. Die hochkomplexe Situation in Europa macht es notwendig, sich auf gemeinsame Standards – auch in der Definition von Antisemitismus – zu verständigen.“

Kardinal Marx betonte den religiösen Aspekt, mit dem Antisemitismus häufig argumentiere. „Da müssen wir uns als Christen kritisch fragen: Dürfen wir das zulassen? Durch das Zweite Vatikanische Konzil ist mit der Erklärung Nostra aetate viel erreicht worden. Manchmal bin ich aber überrascht, wie viel Unwissen es in unseren eigenen Reihen beim Thema des Verhältnisses zu den anderen Religionen gibt.“ In der Diskussion betonte Kardinal Marx, ob nicht Aspekte des theologischen Verständnisses zwischen Christen und Juden stärker in die Priester- und Rabbinerausbildung integriert werden müssten. „Vielleicht ist jetzt die Zeit da, wo man sich in der Ausbildung austauscht und besucht, um einander kennenzulernen. Antisemitismus ist ein Angriff auf uns alle! Christen und Juden werden sich niemals mehr voneinander trennen. Auch das muss in unseren Ausbildungsstätten deutlich werden. Wir brauchen Begegnung und Sensibilität auf diesem Feld“, so Kardinal Marx. Er erinnerte an die jüdisch-christliche Tradition: „Wir können nicht Christen ohne die Juden sein. Und ohne die jüdische Tradition des Alten Testamentes könnten wir Jesus nicht begreifen. Das ist eine Selbstverständlichkeit unseres eigenen Glaubens, die bei einigen offensichtlich noch nicht angekommen ist. Wir, Juden und Christen, sind aneinander gebunden. Wir waren oft nicht gut aneinander gebunden. Die Geschichte muss jetzt weitergehen: Wir sind freundschaftlich und uns gegenseitig bereichernd verbunden. Das sollte bis in die Pfarreien hinein deutlich werden“, so Kardinal Marx.

An der Veranstaltung in der Katholischen Akademie Berlin nahmen mehr als 300 Gäste teil. Das ursprüngliche Thema „Ist Europa alt, müde und kraftlos geworden“ orientierte sich aufgrund der aktuellen Ereignisse stärker an der Frage des Antisemitismus in Deutschland. Das Podium war die erste gemeinsame Veranstaltung der Deutschen Bischofskonferenz und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz.

Kardinal Marx predigt am Reformationstag der evangelischen Kirche

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 1. November 2019 - 7:17

Anlässlich des Reformationstages der evangelischen Kirche hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, gestern (31. Oktober 2019) bei einem Abendgottesdienst im Berliner Dom vor einem Verschwinden der Religion in der Öffentlichkeit gewarnt. „Einige waren in früheren Jahren der Auffassung: Je stärker die Modernisierung der Gesellschaft voranschreitet, desto weniger ist die Religion präsent. Das sei so, als wenn die Religion wie der Schnee in der Sonne durch die Aufklärung verschwinde. Das Gegenteil ist der Fall: Gerade heute wird die Religion neu sichtbar“, sagte Kardinal Marx in seiner Predigt, die er auf Einladung der evangelischen Domgemeinde hielt.

„Was wir vor einigen Jahrzehnten nicht erwartet hätten, zeigt sich heute in der Säkularisierung, in einem neuen Fundamentalismus, in einer politischen Instrumentalisierung der Religionen, die wir weltweit feststellen, auch in den Gefilden des Christentums. Das muss uns aufrütteln, um den wahren Sinn von Religion zu erklären“, betonte Kardinal Marx. Ins Zentrum rücke die Frage, wie das christliche Bekenntnis in dieser Gesellschaft präsent sein und die Frage nach Gott gestellt werden könne. „Es geht nicht um die Frage nach der Kirche, sondern primär um die Frage nach Gott. Papst Benedikt XVI. hat oft daran erinnert, dass die Rede von Gott stets etwas Neues ist. In diesen Zeiten sind wir herausgefordert, neu von Gott zu sprechen.“

Kardinal Marx erinnerte an die grundlegende Erfahrung des Monotheismus: „Gott ist kein Teil der Welt, er ist der Schöpfer der Welt. Gott ist ganz anders. Das muss neu in unser Bewusstsein rücken. Die Forderung des Alten Testamentes, den Namen Gottes nicht zu missbrauchen, ist auch heute aktuell angesichts eines neuen Fundamentalismus, der versucht, Religion zu politischen Zwecken zu missbrauchen. Wie oft ist die Versuchung da, sich Gott so zurechtzulegen wie wir es wollen, ganz nach unseren Interessen und unseren Ideologien“, fragte Kardinal Marx.

Der Reformationstag lade dazu ein, sich zu erinnern, was Martin Luther bewegt habe. „Der Gedanke Luthers war, dass Gott uns – auch heute – sagt: Ich gehe für Dich, Mensch, ins Nichts, für Dich gehe ich in den Tod. Dann kann der Mensch erhoben werden, aus reiner Gnade, dann wird die Hoffnung des Menschen begründet, die nicht im menschlichem Bemühen steckt, sondern allein im Handeln Gottes in dieser Welt“, so Kardinal Marx. „Gerade die Lehre von der Rechtfertigung, vom barmherzigen Gott, müssen wir neu aufleuchten lassen, damit wir uns wehren gegen eine Religion, die Instrument wird für andere Interessen, wenn von einem Gott gesprochen wird, der belanglos ist oder politisch vereinnahmt wird.“

Die Christen, so Kardinal Marx, müssten ihr Zeugnis des Glaubens ökumenisch einbringen, gemeinsam von Gott sprechen, „neugierig bleiben, ehrfürchtig und staunend Gott erkennen, aber nicht so von Gott reden, als hätten wir ihn als Besitz für uns allein“. Das komme in der ökumenischen Bewegung manchmal zu kurz, wenn man meine, Texte seien das einzige. „Ja, die Lehre ist wichtig, aber dazu gehören auch die Praxis des Glaubens und der Gottesdienst. Gleichgewichtig gehören diese drei Elemente zusammen“, betonte Kardinal Marx. „Nach 2017 sind wir enger zusammen gerückt. Das Bekenntnis zum dreifaltigen Gott ist unsere gemeinsame Aufgabe und der Weg als Christen. Darum ist die Gottesfrage zentral für uns und damit verbunden die Frage, ob wir miteinander das größte aller menschlichen Worte – Gott – lernen, neu durchzubuchstabieren.“

Deutsche Bischofskonferenz zum Film von Christoph Röhl „Verteidiger des Glaubens“

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 31. October 2019 - 13:30

Zum Film des Regisseurs Christoph Röhl, „Verteidiger des Glaubens“ über Kardinal Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI., erklärt der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp:

„Die Deutsche Bischofskonferenz begrüßt jeglichen konstruktiven Beitrag zur Aufdeckung von sexualisierter Gewalt, ihrer Ursachen und des Umfeldes, durch den Menschen so lange leiden mussten. Gerade auch der Kirche fernstehende Journalisten haben hier ganz wichtige Beiträge geleistet. Leider können wir im Film von Christoph Röhl, ‚Verteidiger des Glaubens‘, mit Bezug auf die Person Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. diesen konstruktiven Beitrag nicht sehen.

Der Film zeichnet insgesamt ein stark verzerrtes Bild von Kardinal Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. Tenor ist: Es ging ihm immer nur um die Reinheit der Kirche und des Priestertums, nie um die Opfer. Das ist eine eigenwillige und fehlerhafte Interpretation.

Die Theologie Joseph Ratzingers ist nicht charakterisiert durch einseitige Realitäts-Fremdheit und die Konzentration auf ein weltfremd Schönes. Kenner seiner Theologie sehen hier eine Verkürzung, die dem anerkannten Theologen nicht gerecht wird. In der Theologie eine der Ursachen für Missbrauch bzw. Vertuschung sehen zu wollen, geht an der Sache vorbei.

Über Jahrzehnte war Kardinal Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. eine treibende Kraft gegen Missbrauch:

  • bei der kirchlichen Definition der ‚besonders schwerwiegenden Verbrechen‘ und damit der kirchenrechtlichen Definition des Verbrechens Missbrauch;
  • bei der Schaffung einer speziellen Strafkammer in der Kongregation für die Glaubenslehre und damit beim Aufbau der Strukturen;
  • bei der strafweisen Entfernung von mehr als 380 Priestern, die Täter waren, aus dem Klerikerstand.

Diese Aspekte werden im Film nicht angemessen gewürdigt.

Vor allem war es Benedikt XVI., der sich als erster Papst überhaupt auf mehreren Reisen mit Opfern sexuellen Missbrauchs traf, insbesondere im September 2011 in Erfurt. Dieser Umstand wird verschwiegen, was den Film unseriös macht. Es ist bedauerlich, dass die Chance zu einem historisch-kritischen Porträt über Papst Benedikt XVI., das ihm differenziert hätte gerecht werden können, verpasst worden ist.“

Deutsche Kirchen würdigen 20 Jahre Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 31. October 2019 - 11:12

Mit einem zentralen Gottesdienst in der Stuttgarter Stiftskirche ist heute (31. Oktober 2019) der 20. Jahrestag der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre am 31. Oktober 1999 in Augsburg gefeiert worden. Die Gemeinsame Erklärung stellt eines der bedeutendsten Dokumente der Annäherung der Kirchen weltweit dar. Im Gottesdienst wurde besonders die Entwicklung von einer bilateralen Einigung zwischen lutherischer und römisch-katholischer Kirche zu einem multilateralen Grundstein in der Ökumene gewürdigt. Die Gemeinsame Erklärung wird inzwischen von fünf Weltgemeinschaften der lutherischen, katholischen, methodistischen, reformierten und anglikanischen Konfession getragen. Auf einer Tagung im März 2019 in der Notre Dame University (USA) bekräftigten die Konfessionen, die gemeinsame Arbeit auf Basis der Erklärung weiter voranzutreiben.

Im Gottesdienst in Stuttgart wirkten Repräsentantinnen und Repräsentanten aller fünf Konfessionen aus Deutschland mit. Auch sie unterstrichen den Willen zur stärkeren Zusammenarbeit: Man wolle dem „gemeinsamen Zeugnis eine vermehrt sichtbare Gestalt geben, im Gottesdienst und Dienst am Nächsten, zusammen auf dem Weg zur sichtbaren Einheit“, hieß es in der Liturgie. Ebenfalls wurde vorgeschlagen, um den 31. Oktober herum verstärkt Gottesdienste zum Taufgedächtnis und zur Feier der Rechtfertigung anzubieten. Damit griffen sie die Ergebnisse des internationalen Treffens in den USA auf.

Die Predigten hielten der Vorsitzende der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gerhard Feige (Magdeburg), sowie der Vorsitzende des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes, der gastgebende Württemberger Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July.

In seiner Predigt fragte Bischof Feige, ob die Botschaft, dass Gott dem Menschen das Entscheidende schenke, nicht auch für die Menschen des 21. Jahrhunderts eine entlastende und befreiende Kraft sein könne. „Damit verbunden wäre ja: Löst euch von der zwanghaften Vorstellung, erfolgreich sein zu müssen. Macht euer Selbstwertgefühl nicht davon abhängig, wie andere euch sehen“, so Bischof Feige. Er fügte hinzu: „Anstatt krampfhaft um sich selbst zu kreisen, sollte es vielmehr immer neu darum gehen, den Lebensschwerpunkt auf Gott hin zu verlagern.“ Ausdrücklich betonte Bischof Feige, durch die Gemeinsame Erklärung sei deutlich geworden, dass die Christen verschiedener Konfessionen mehr verbinde als trenne. „Dazu gehört auch das neu erwachte Bewusstsein von der Gemeinschaft in der Rechtfertigungslehre. Heute können wir sagen, dass daraus sogar ein ökumenisches Erfolgsprojekt geworden ist.“  Diese Verbundenheit bedeute auch, dass „wir gemeinsam vor der Aufgabe stehen, diese christliche Kernbotschaft wachzuhalten, sie für unsere Zeit neu durchzubuchstabieren und mit Leben zu füllen. Wo wir dies tun, wird die sichtbare Einheit unter uns weiter gefestigt werden“. Dazu sei auch künftig ein engagiertes und beherztes Eintreten für den ökumenischen Weg gefragt, so Bischof Feige.

Landesbischof July blickte in seiner Predigt auf das Gleichnis vom Senfkorn. Er erinnerte an die Pionierinnen und Pioniere der Ökumene, die sich „trotz Verboten, trotz Kopfschütteln oder Verdächtigungen auf den Weg gemacht haben. Die den gemeinsamen Acker suchten und sich die Samenkörner zeigten“. Inzwischen sei das Miteinander der Kirchen viel selbstverständlicher, auch dank der Gemeinsamen Erklärung. „Sie lässt uns gemeinsam auf dem Feld das Senfkorn auswerfen, den Sauerteig beimischen, in einer sich wandelnden Gesellschaft vom Evangelium erzählen“, so July. Das Ziel der Ökumene sei aber immer noch, dass „einstmals jener Baum wächst, in dessen Schatten Gottes geliebte Kinder in Vielfalt, aber versöhnter Verschiedenheit, zusammenkommen, um am Tisch in gemeinsamer Mahlfreude auf das rechtfertigende und gewiss machende Wort des Herrn zu hören“, so July. „Ich selbst werde fortfahren, für eine vertiefte ökumenische Zusammenarbeit zu werben und zu beten. […] Ich wünsche mir, dass wir entschieden, fröhlich und vom Geist gestärkt den Pionierinnen und Pionieren der Ökumene in ihrem Bemühen und ihrer Arbeit nachfolgen. Das Jubiläum der Gemeinsamen Erklärung schickt uns neu auf den Weg.“

Von der Evangelisch-methodistischen Kirche wirkte Bischof Harald Rückert an dem Gottesdienst mit. Pfarrer PD Dr. Hans-Georg Ulrichs vertrat den Reformierten Bund und Canon Christopher Jage-Bowler den Council of Anglican and Episcopal Churches in Germany. Sie trugen Ausschnitte aus den Assoziierungserklärungen der drei Weltgemeinschaften zur Gemeinsamen Erklärung vor, die jeweils den besonderen Zugang zur Rechtfertigungslehre und der Erklärung verdeutlichten. Bei einem anschließenden Empfang im Alten Schloss würdigte Erzpriester Radu Constantin Miron, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), in einem Grußwort die Bedeutung der Gemeinsamen Erklärung.

Hintergrund
Mit der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre hatten der Lutherische Weltbund und die römisch-katholische Kirche 1999 erstmals offiziell einen differenzierten Konsens über die Frage der Rechtfertigung erklärt, eine Kernfrage der Reformation. Damit konnten beide Seiten feststellen, dass die jahrhundertelang wiederholten gegenseitigen Verurteilungen in dieser Frage nicht länger Gegenstand der Lehre der beteiligten Kirchen sind. Im Jahr 2006 schloss sich der Weltrat Methodistischer Kirchen der Gemeinsamen Erklärung an, im Juli 2017 die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen. Die Anglikanische Gemeinschaft verkündete ihre inhaltliche Zustimmung am Reformationstag des gleichen Jahres.

Hinweise:
Die Predigten von Bischof Feige und Landesbischof July sind unten zum Download verfügbar. Ausführlichere Hintergrundinformationen zur Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre sind auf der Themenseite Ökumene zu finden.

Synodaler Weg der Kirche in Deutschland: Satzung auf der Zielgeraden

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 29. October 2019 - 10:22

Der am ersten Advent beginnende Synodale Weg der Kirche in Deutschland nimmt Gestalt an. Nach der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz hat jetzt auch der Hauptausschuss des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) die Satzung angenommen. Am 22. November 2019 wird die Vollversammlung des ZdK noch über die Satzung entscheiden.

Die Deutsche Bischofskonferenz und das ZdK veröffentlichen heute (29. Oktober 2019) den aktuellen Stand der Satzung, um die es in den vergangenen Monaten Debatten auf verschiedenen Ebenen gegeben hat. Die Satzung ist auf den Internetseiten www.dbk.de und www.zdk.de einsehbar. Dort befindet sich ab sofort auch ein umfangreicher Fragen-Antworten-Katalog rund um den Synodalen Weg. Zum ersten Advent sind alle Informationen gebündelt auf der Internetseite www.synodalerweg.de zu finden, die von Deutscher Bischofskonferenz und ZdK gemeinsam verantwortet wird.


Hinweis:

Die Satzung als pdf-Datei sowie die FAQ sind im Themenbereich Synodaler Weg verfügbar.

Kardinal Marx zum Abschluss der Amazonassynode in Rom

Visus Conferentiae Episcoporum Germanorum - 27. October 2019 - 11:03

Zum Abschluss der Sonderversammlung der Bischofssynode für den Amazonas am heutigen Sonntag (27. Oktober 2019) erklärt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx:

„Drei Wochen intensiver Beratung liegen hinter uns. Papst Franziskus‘ Enzyklika Laudato si‘ und ihre Vision des ‚Gemeinsamen Hauses‘ standen im Mittelpunkt. Die Bischofssynode hat uns deutlich vor Augen geführt, dass es höchste Zeit ist, das ‚Gemeinsame Haus‘ der Erde auch in neuen Allianzen zu schützen. Es wurde gesprochen von einem Bündnis zwischen Glaube, Wissenschaft und Jugend. Die Synode hat uns und der internationalen Öffentlichkeit gezeigt, wie dramatisch die Fragen von Schöpfung und Klimagerechtigkeit sind. Die Überlebensfähigkeit der globalen Ökosysteme steht auf dem Spiel. Diese Situation und die Verantwortung für das ‚Gemeinsame Haus‘ gehen uns alle an. Ausdrücklich nenne ich hier auch die junge Generation, die uns seit Monaten vor Augen hält, dass wir als menschliche Gemeinschaft gemeinsam handeln müssen.

Ich bin dankbar für diese Erfahrung der Synode, denn klar ist: Wir müssen – ob im Amazonas oder in Deutschland – von der Frage ausgehen, was der Mensch braucht. Wie handeln wir? Was tun wir für die Menschen? Welche Folgen hat das? Erst dann kommt die Frage nach der Kirche und ihren Strukturen. Denn die Kirche ist nicht für sich selbst da, sie steht in Gottes Dienst am Menschen.

Durch die Synode haben das Amazonasgebiet und die dort lebenden Menschen internationale Aufmerksamkeit gefunden. Die Kulturen der indigenen Bevölkerung, aber auch die Bedrohung der Lebensbedingungen wurden intensiv erörtert. Die Synode hat gefragt, wie wir mit dem Amazonasgebiet umgehen. Ich bin deshalb unseren Hilfswerken dankbar für die vielfältigen Aktivitäten, die sie schon seit langer Zeit in der Region leisten: Sie unterstützen die Pastoral der Kirche vor Ort, fördern soziale wie schulische Projekte und tragen auch dazu bei, das gravierende Menschenrechtsverstöße nicht unbemerkt bleiben.

Die Synode ist nicht bei der Analyse der sozialen und ökologischen Probleme stehen geblieben. Es ist gut, dass das Abschlussdokument eine Reihe konkreter Punkte nennt, um die Richtung einer verantwortlichen politisch-gesellschaftlichen Entwicklung anzuzeigen. Dabei geht es zum Beispiel um Fragen nach ethisch verantwortlichen und nachhaltigen Investments, die entschlossene Entwicklung alternativer Energien, aber auch die Notwendigkeit, das herkömmliche ökonomische System auf den Prüfstand zu stellen, wie es Papst Franziskus in der Enzyklika Laudato si‘ getan hat. Wir werden als Kirche in Deutschland überlegen, welche Konsequenzen, vielleicht auch welches konkrete Projekt wir zur Bewahrung der Schöpfung über die vielen Initiativen hinaus starten können, die es schon gibt.

Froh bin ich, dass die Synode ausdrücklich in ihrer Debatte über die Seelsorge der Zukunft auch über die Rolle und neue Beteiligungsmöglichkeiten von Frauen in der Kirche und die Frage der ‚viri probati‘, also die Möglichkeit, in Beruf, Familie und Kirche bewährte Männer zu Priestern zu weihen, gesprochen hat. Diese Diskussion zeichnete sich durch eine Intensität aus, die ich so nicht erwartet hätte. Das zeigt: Es sind Fragen, die die Kirche weltweit beschäftigen. Eine Synode hat nicht die Aufgabe, hier Lösungen zu geben, aber die aufgeworfenen Fragen müssen vertieft werden und zwar auf weltkirchlicher Ebene. Die Synode hat die pastorale Situation im Amazonas verdeutlicht – eine Situation, die sich in anderen Erdteilen auch oder in ähnlicher Weise zeigt. Wir in Deutschland können von den Erfahrungen der Kirche am Amazonas lernen und zugleich einen Beitrag zum Dialog mit der Weltkirche leisten, um offene Fragen in den kommenden Jahren zu erörtern. Ausgangspunkt muss auch hier sein: Was braucht der Mensch für Leib und Seele?

Die Synode habe ich als eindrucksvolles Forum des Zuhörens erlebt, um zu lernen, was den anderen berührt. Wir werden das Abschlussdokument in der Bischofskonferenz diskutieren und auswerten. Die Debatten in der Synode haben mich für unseren bevorstehenden Synodalen Weg der Kirche in Deutschland bestärkt: Es geht darum, zuzuhören, aufeinander zuzugehen und einmütig in die Zukunft zu gehen.“


Hinweise:

Das Abschlussdokument der Sonderversammlung der Bischofssynode für den Amazonas in Rom ist auf der Internetseite der Bischofssynode unter www.sinodoamazonico.va verfügbar.

Weitere Informationen sind auf der Themenseite Amazonassynode 2019 zu finden.

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