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Aktualisiert: vor 24 Minuten 28 Sekunden

Erzbischof Heße zur Auszeichnung von Äthiopiens Ministerpräsidenten mit dem Friedensnobelpreis

11. Oktober 2019 - 15:37

Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz, erklärt zur heute (11. Oktober 2019) bekanntgegebenen Auszeichnung von Äthiopiens Ministerpräsidenten Abiy Ahmed mit dem Friedensnobelpreis:

„Herzlich gratuliere ich Herrn Ministerpräsident Abiy Ahmed zum Friedensnobelpreis, der ihm heute zugesprochen wurde. Vor einigen Monaten habe ich als Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen Äthiopien besucht. Während meines fünftägigen Aufenthalts hatte ich die Gelegenheit, in Flüchtlingslagern die Lebenssituation der dort untergebrachten Menschen kennenzulernen, darunter auch im nordäthiopischen Lager Mai Aini, wo über 20.000 Flüchtlinge aus Eritrea leben. In meinen Gesprächen mit äthiopischen Politikern, Vertretern der Zivilgesellschaft, Bischöfen und vielen äthiopischen Bürgern konnte ich feststellen, wie komplex die Situation ist, aber ich habe auch die großen Erwartungen gespürt, die viele in Ministerpräsident Abiy Ahmed setzen und die Hoffnung der Bevölkerung, dass das Land auf einen guten Weg kommt.“

Kardinal Marx zum Anschlag in Halle an der Saale

9. Oktober 2019 - 17:57

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärt zum heutigen Anschlag in Halle an der Saale (9. Oktober 2019):

„Ich bin entsetzt und erschüttert über den feigen Anschlag von Halle. Unser Mitgefühl gilt den Todesopfern, ihren Angehörigen und den Verletzten. Die Täter hatten offensichtlich gezielt die Synagoge von Halle ausgesucht, um am höchsten jüdischen Feiertag Blut zu vergießen. Wir stehen solidarisch an der Seite der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Antisemitismus oder gar blinde Gewalt dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. Wir sind den Juden in unserem Land, unseren Schwestern und Brüdern, gerade in diesen Stunden eng im Gebet verbunden.“

Presseeinladung zum Katholischen Medienpreis 2019

9. Oktober 2019 - 9:54

Die Deutsche Bischofskonferenz verleiht in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten e. V. (GKP) und dem Katholischen Medienverband e. V. (KM.) zum 17. Mal den Katholischen Medienpreis und die zusätzliche Auszeichnung „journalistisch WERTvoll“. Darüber hinaus wird auch in diesem Jahr ein Sonderpreis der Jury verliehen.

Mit dem diesjährigen Preis werden in der Kategorie Printmedien Veronika Wulf (Beitrag „Der fremde Sohn“, taz – Die Tageszeitung, 16. Juni 2018) und in der Kategorie Elektronische Medien Hans Block und Moritz Riesewieck (Dokumentation „The Cleaners“, Arte, 23. August 2018) ausgezeichnet. Heribert Prantl erhält den Sonderpreis der Jury für seine Artikel zu den Hochfesten der Kirche wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten.

Für weitere herausragende Beiträge wird im Jahr 2019 zweimal die undotierte Auszeichnung „journalistisch WERTvoll“ verliehen: in der Kategorie Printmedien an Sarah Seifen (Beitrag „Und Tschüss?! – Bleiben oder Gehen“, erschienen in den Kirchenzeitungen der Bistümer Fulda, Limburg und Mainz am 6. Januar 2019) und in der Kategorie Elektronische Medien an Sandra Weiss und Charlotte Eichhorn (Beitrag „Völkermord im Verborgenen – ein multimediales, interkulturelles Langzeitprojekt“, u. a. veröffentlicht auf www.eichhorn-weiss-media.com/voelkermord seit 1. Mai 2019).

Die Laudationes halten Prof. Dr. Frank Überall, Bundesvorsitzender Deutscher Journalistenverband (DJV), Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur Die Zeit, sowie Prof. Dr. Claudia Nothelle, Aufsichtsratsvorsitzende Katholische Journalistenschule ifp. Den Festakt, zu dem Gäste aus Kirche, Politik und Medien erwartet werden, moderiert Gisela Steinhauer (WDR).

Medienvertreter sind herzlich zur Preisverleihung eingeladen am

Montag, 21. Oktober 2019, um 18.00 Uhr (Empfang ab 17.30 Uhr)
im Max Ernst Museum Brühl des LVR (Landschaftverband Rheinland)
(Ecke Comesstraße 42/Max-Ernst-Allee 1, 50321 Brühl)


sowie zu einem Fototermin, der mit den Preisträgern und dem Vorsitzenden der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst, unmittelbar vor dem Festakt stattfindet (17.30 Uhr, Treffpunkt Eingang Foyer).

Im Vorfeld der Preisverleihung veranstaltet die GKP in Kooperation mit der Thomas-Morus-Akademie Bensberg und dem ifp ein Fachsymposium zum Thema „Kampf um die Besten – Wie Qualitätssicherung und Nachwuchsförderung im Journalismus zusammengehören“. Referenten sind unter anderen Prof. Dr. Katja Schupp, Journalistisches Seminar Universität Mainz, Jörg Schleburg, Agentur VonVorteil für Employer Branding in München, Clemens Finzer, Leiter der Ausbildungsredaktion des Bayerischen Rundfunks, Stefan Kläsener, Chefredakteur Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag/Flensburger Tageblatt, Prof. Dr. Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung, Prof. Dr. Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands DJV, Vivica Rosar, Media Consultant BOA Recruiting ZEIT Campus und Birgit Wentzien, Chefredakteurin Deutschlandfunk. Dieser Termin ist presseöffentlich. Medienvertreter sind herzlich willkommen.


Hinweise:

  • Wenn Sie am Fototermin und/oder an der Preisverleihung teilnehmen möchten, schicken Sie bitte beiliegenden Antwortbogen bis zum 17. Oktober 2019, 12.00 Uhr, per E-Mail an pressestelle(at)dbk.de oder per Fax an 0228/103-254.
  • Am späten Abend der Preisverleihung werden kostenfreie Pressefotos der Veranstaltung auf www.dbk.de in der Bildergalerie zur Pressemitteilung zum Herunterladen verfügbar sein.
  • Für die Teilnahme am GKP-Symposium (Begegnungszentrum MargaretaS, Heinrich-Fetten-Platz 3, 50321 Brühl) von 11.00 bis 16.45 Uhr melden Sie sich bitte bei der GKP-Geschäftsstelle per E-Mail info(at)gkp.de oder per Fax (02204/4084-20) an. Das Programm ist unten sowie auf www.gkp.de verfügbar.
  • Weitere Informationen wie die Kurzbiographien der Preisträger und die Jury-Begründungen zum Katholischen Medienpreis finden Sie unter auf der Themenseite Katholischer Medienpreis.

Bischofssynode 2019 in Rom – Sonderversammlung für Amazonien

7. Oktober 2019 - 18:04

Auf der Bischofssynode in Rom hat am Montag, 7. Oktober 2019, Kardinal Reinhard Marx, Mitglied des Kardinalsrates und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, zum Instrumentum laboris gesprochen. Wir dokumentieren seinen Redebeitrag vor der Synode:

  1. Das Instrumentum laboris beschreibt die Zerstörung Amazoniens: „Massives Fällen von Bäumen, Ausrottung des Tropenwaldes durch vorsätzliche Waldbrände, Ausdehnung von Agrarflächen und Monokulturen sind die Ursachen für die gegenwärtigen Ungleichgewichte des Klimas in der Region, aber wirken sich offensichtlich auch auf das Weltklima aus, und zwar in den sich häufenden katastrophalen Dürren und Überschwemmungen planetarischen Ausmaßes.“ (IL 54) Diese Zerstörung der Natur widerspricht fundamental dem christlichen Verständnis von Schöpfungsverantwortung.
  2. Amazonien ist als „Lunge der Welt“ von großer Bedeutung für das Weltklima und mit seiner Artenvielfalt auch ein wertvolles Naturerbe. Die außergewöhnliche Artenvielfalt ist nicht nur für den Menschen nützlich, etwa in der Medizin, sondern jede Art hat einen Eigenwert. Dieser Schatz der Menschheit ist aber in Gefahr. Wenn weiterhin Waldflächen gerodet werden – wofür die Industrieländer angesichts der globalen Handelsverflechtungen eine Mitverantwortung tragen – droht der Tropenwald komplett auszutrocknen, mit unkalkulierbaren Folgen für das Weltklima.
  3. Das Klima ist ein globales Kollektivgut und wir haben den Auftrag, es zu schützen und für die nachfolgenden Generationen zu bewahren, in Amazonien und weltweit. Dafür braucht es einen schnellen Ausstieg aus den fossilen Energieträgern und einen umfassenden ökologischen Wandel. Dieser Wandel kann nur mit den richtigen politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gelingen, die verhindern, dass die ökologischen und sozialen Folgekosten wirtschaftlichen Handelns auf unbeteiligte Dritte abgewälzt werden können. Die UN-Klimarahmenkonvention und das Kyoto-Protokoll sprechen von einer „gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung“ der Länder. Demnach haben die großen Industrienationen angesichts ihres Ausstoßes von Treibhausgasen eine besondere Verantwortung für den Klimaschutz. Die Industrieländer können beim ökologischen Wandel die Führung übernehmen und nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster entwickeln. Außerdem stehen sie in der Pflicht, die Länder des Südens bei der Anpassung an den bereits zu beobachtenden Klimawandel zu unterstützen. Es geht letztlich um eine globale Solidarität, deren Basis eine „neue Fortschrittsidee“ ist (vgl. auch LS 46, 194)
  4. Wenn wir, wie es das Instrumentum laboris fordert, das Amazonasgebiet retten wollen (IL 56), brauchen wir eine ganzheitliche Ökologie und einen Perspektivwechsel, der uns zu einem neuen Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur sowie einem friedlichen Zusammenleben der Menschen führt. Es geht dabei nicht um einzelne Fragen, sondern um eine neue, umfassende Perspektive, wie es bereits Romano Guardini analysiert hat: „Der Maßstab, an welchem eine Zeit allein gerecht gemessen werden kann, ist die Frage, wie weit in ihr, nach ihrer Eigenart und Möglichkeit, die Fülle der menschlichen Existenz sich entfaltet und zu echter Sinngebung gelangt.“ (vgl. EG 224) Zur ganzheitlichen Ökologie und Ökonomie gehört es, Korruption, Ausbeutung und globaler Gleichgültigkeit ein Ende zu setzen und unser Handeln immer wieder daraufhin zu prüfen, welche Auswirkungen es auf die Natur und auf die Menschen in der Welt hat. Es ist so, wie Sie, Heiliger Vater, es in der Enzyklika Laudato si’ ausgedrückt haben: Alles ist miteinander verbunden!

Hinweis:

Eine ausführliche Themenseite informiert über Hintergründe und Texte der Amazonassynode und wird während der Synode kontinuierlich ergänzt. Dort ist der Wortbeitrag von Kardinal Marx auch in englischer und italienischer Sprache dokumentiert.

Sonderbriefmarke „Weihnachten 2019“

7. Oktober 2019 - 10:34

Seit 1969 gibt das Bundesministerium der Finanzen zum Weihnachtsfest ein Sonderpostwertzeichen mit einem zusätzlichen Centbetrag heraus. Der Zusatzerlös kommt der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V. zugute. Zur Vorstellung der diesjährigen Sonderbriefmarke „Weihnachten 2019“ durch Bundesfinanzminister Olaf Scholz und zur Feier des 50-jährigen Jubiläums laden Prälat Dr. Karl Jüsten, Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe, Prälat Dr. Martin Dutzmann, Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, sowie Gerda Hasselfeldt, Präsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V., herzlich zu einer Feierstunde ein. Sie findet statt am

Montag, 14. Oktober 2019,
um 12.00 Uhr
im Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes e. V.,
Carstennstraße 58, 12205 Berlin.


Die Kolleginnen und Kollegen der Medien sind herzlich zu diesem Termin eingeladen. Bei dem Festakt sprechen:

  • Olaf Scholz, Bundesminister der Finanzen, und
  • Gerda Hasselfeldt, Präsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V. und Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes e. V.

Wenn Sie an dem Festakt teilnehmen möchten, bitten wir um vorherige Anmeldung (mit Angabe von Namen und Redaktion) unter gabler(at)kath-buero.de.

St. Michael-Jahresempfang 2019

2. Oktober 2019 - 9:38

Am Mittwoch, den 16. Oktober 2019, findet auf Einladung des Leiters des Kommissariats der deutschen Bischöfe, Prälat Dr. Karl Jüsten, um 18.00 Uhr der St. Michael-Jahresempfang im Hotel Aquino (Tagungszentrum Katholische Akademie, Hannoversche Straße 5b) in Berlin statt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, wird eine Ansprache halten. Erwartet werden neben Mitgliedern der Bundesregierung zahlreiche Vertreter aus Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

Bis zum 14. Oktober 2019 (10.00 Uhr) können sich Medienvertreter ohne persönliche Einladung über das Online-Formular unter www.dbk.de für den St. Michael-Jahresempfang in Berlin akkreditieren. Bitte beachten Sie, dass eine Akkreditierung nur online möglich ist. Eine Nachakkreditierung ist nicht möglich! Am 16. Oktober 2019 können Sie Ihren Akkreditierungsausweis zwischen 16.30 Uhr und 17.30 Uhr im Tagungszentrum Katholische Akademie abholen.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen.

Kardinal Marx gratuliert zum Jüdischen Neujahrsfest Rosch haSchana

28. September 2019 - 7:43

Anlässlich des morgen (Sonntag, 29. September 2019) beginnenden jüdischen Neujahrsfestes Rosch haSchana hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, sowie allen jüdischen Mitbürgern Friedens- und Segenswünsche übermittelt.

In seinem Grußwort an den Zentralratspräsidenten erinnert Kardinal Marx an den 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs. Die Ermordung der europäischen Juden sei untrennbar mit der Geschichte dieses Krieges  verbunden. „Doch die Shoah war nicht Folge von Kriegshandlungen oder der Besatzungspolitik. Es war der Hass auf das jüdische Volk und das Judentum, der die Mordaktionen leitete, ein Hass ohne gleichen“, schreibt Kardinal Marx.

Es habe Christen gegeben, die unter Einsatz ihres Lebens Widerstand geleistet und Juden gerettet hätten. „Doch die meisten Christen haben sich gleichgültig gegenüber dem Leid der Juden verhalten; nicht wenige haben sich an den Verbrechen beteiligt. Die Erinnerung daran erfüllt mich und viele andere heute mit Scham.“ Auch an das Verhalten von Bischöfen und den Papst richteten sich kritische Fragen. Daher, so Kardinal Marx, sei er Papst Franziskus dankbar für dessen Ankündigung, im März 2020 den vatikanischen Archivbestand aus der Zeit des Pontifikates von Papst Pius XII. für die Öffentlichkeit und für die historische Forschung zugänglich zu machen. „Ich hoffe sehr, dass eine solide wissenschaftliche Erforschung der Quellen uns in der Aufarbeitung der Vergangenheit weiter helfen wird“, so Kardinal Marx.

Gleichzeitig warnt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz davor, nicht nur auf die Vergangenheit zu schauen, sondern auch die Herausforderungen der Gegenwart zu sehen. Die Zunahme antisemitischer Einstellungen sei auch eine Herausforderung an das kirchliche Bildungswesen: „Ich möchte die Religionslehrerinnen und Religionslehrer und nicht zuletzt auch die Verantwortlichen für das katholische Schulwesen bitten, diese Herausforderung anzunehmen und der Auseinandersetzung mit antisemitischen Vorurteilen größere Aufmerksamkeit im Unterricht und im Schulleben zu widmen“, schreibt Kardinal Marx.


Hinweis:

Das Grußwort von Kardinal Marx zum Jüdischen Neujahrsfest ist unterstehend als pdf-Datei verfügbar.

„Gewalt gegen Frauen in Kirche und Orden“

27. September 2019 - 13:25

Die Deutsche Bischofskonferenz mit ihrer Arbeitsstelle für Frauenseelsorge und dem Bereich Pastoral sowie die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) veranstalten in Kooperation mit den katholischen Frauenverbänden KDFB und kfd vom 27. bis 28. September 2019 in Siegburg eine Tagung, die sich erstmals ausdrücklich mit dem Thema Gewalt gegen Frauen in Kirche und Orden befasst. Die Tagung, die von der internationalen Initiative „Voices of Faith“ unterstützt wird, versteht sich als Teil eines Prozesses, in dem Raum für Erfahrungen, Zeugnisse und Expertisen eröffnet und erste Perspektiven für Aufarbeitung, Ahndung und Prävention entwickelt werden sollen.

Anliegen der Veranstaltung, die von Frauen für Frauen organisiert wurde, ist, Frauen zu hören und ihnen Gehör zu verschaffen. Im Februar 2019 hat sich Papst Franziskus erstmal öffentlich zum psychischen, geistlichen und sexuellen Missbrauch von Ordensfrauen durch Kleriker und Ordensobere auf der ganzen Welt geäußert. Das ganze Ausmaß ist bislang kaum im Blick. Dies gilt auch für die Verstrickung von Frauen als (Mit-)Täterinnen und Mitwisserinnen. 125 Frauen, darunter Betroffene, Seelsorgerinnen, Theologinnen und Verantwortliche aus den Diözesen, Ordensgemeinschaften, Frauenverbänden und anderen kirchlichen Einrichtungen haben sich für die Tagung angemeldet.

Sr. Dr. Katharina Kluitmann OSF, Vorsitzende und Präventionsbeauftragte der DOK, sieht in der Tagung einen wichtigen Schritt, um im Gespräch mit Betroffenen und Expertinnen Licht in das Dunkelfeld des geistlichen und sexuellen Missbrauchs an erwachsenen Frauen in der Kirche zu bringen. „Anders als beim sexuellen Missbrauch Minderjähriger suchen wir, was Aufdeckung, Aufklärung, Ahndung und Prävention von Gewalt gegen Frauen in Kirche und Orden angeht, ja noch nach konkreten Wegen und adäquaten Strukturen“, so Sr. Dr. Katharina Kluitmann.

„Wir stehen in der Pflicht“, betont Dr. Aurica Jax, Leiterin der Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, „die Sensibilität für weibliche, erwachsene Opfer zu erhöhen sowie Theologie und Seelsorge mit den Betroffenen weiterzuentwickeln. Weder die Breite des Spektrums der Gewalttaten, die auch geistlichen Missbrauch einschließen, darf dabei ein Tabu sein noch der Blick auf die Tatsache, dass auch Frauen Täterinnen und Mitwisserinnen waren und sind“. Die Ergebnisse der Tagung sollen dazu dienen, Strukturen zur Aufarbeitung zu entwickeln.

Experten-Hearing zur Umsetzung der Enzyklika Laudato si’

27. September 2019 - 10:25

Mit einem Experten-Hearing hat heute (27. September 2019) das Projekt „Nachhaltige Entwicklung im Licht von Laudato si’ begonnen, das die Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegeben hat. Dazu kamen in Berlin Fachleute aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kirche zusammen, um über die vordringlichen Aufgaben bei der sozial-ökologischen Transformation zu diskutieren, die Papst Franziskus in seiner Umwelt- und Sozialenzyklika vor drei Jahren gefordert hat.

Beiträge der Kirche zum Gelingen dieses Transformationsprozesses sind das Hauptthema des neuen wissenschaftlichen Projekts, das von der Sachverständigengruppe „Weltwirtschaft und Sozialethik“ der Deutschen Bischofskonferenz unter der Leitung von Prof. DDr. Johannes Wallacher (München) durchgeführt wird. Sie hatte im vergangenen Jahr die Studie „Raus aus der Wachstumsgesellschaft? Eine sozialethische Analyse und Bewertung von Postwachstumsstrategien“ (2018) veröffentlicht und damit eine wichtige Vorarbeit für das neue Vorhaben geleistet. In der Sachverständigengruppe arbeiten Sozialethiker, Ökonomen und Umweltexperten gemeinsam zu weltwirtschaftlichen Themen, die die kirchliche Arbeit betreffen.

„Wir wollen den Wandel nach unseren Möglichkeiten unterstützen“, erklärte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), in seiner einleitenden Ansprache. In der Enzyklika Laudato si’ seien Schöpfungstheologie und Umweltverantwortung als Querschnittsthemen von Theologie und Kirche dargestellt worden. „Wir halten es für unverantwortlich, angesichts der klimatischen Veränderungen, die das Leben auf der Erde bedrohen, und der dramatischen Armutsprobleme den Kopf in den Sand zu stecken“, unterstrich Erzbischof Schick. Seiner Einschätzung nach kann die Kirche insbesondere zum notwendigen Kultur- und Wertewandel, der die sozial-ökologische Transformation stützt und antreibt, einen beachtlichen Beitrag leisten. Auch sei das globale Netzwerk der katholischen Weltkirche „eine großartige Ressource, die zu einem Perspektivwechsel – hin zu einem übernationalen, weltgesellschaftlichen Denken – beitragen“ könne.

Prof. Wallacher betonte die Notwendigkeit der internationalen Zusammenarbeit und Solidarität mit armen Menschen und mit Ländern, die besonders verwundbar sind. Die Bekämpfung des Klimawandels und der weltweiten Armut könnten nicht getrennt voneinander bewältigt, sondern müssten als eine zusammenhängende Aufgabe verstanden werden. Die Sachverständigengruppe werde in ihrer Arbeit eine integrierte Perspektive und besonders auch die globale Dimension in den Blick nehmen. An den jüngsten Beschlüssen der Bundesregierung kritisierte Prof. Wallacher, dass versäumt worden sei, die richtigen Preissignale zu setzen und konsequent die Subventionierung klimaschädigenden Verhaltens abzuschaffen. Aus ökologischen wie aus wirtschaftlichen Gründen wäre dies notwendig gewesen.

Dr. Janez Potočnik vom UN International Resource Panel stellte in seinem Beitrag eine Diskrepanz fest zwischen dem notwendigen und tiefgreifenden, auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit ausgerichteten sozial-ökologischen Wandel einerseits und der Tatsache, dass Politik, Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und die Finanzwirtschaft viel zu oft einer allzu kurzfristigen Logik folgten, andererseits. Dies behindere effizientes und strategisches Handeln. Dr. Potočnik diagnostizierte außerdem einen „deutlichen Mangel an Verständnis dafür, was wirklich wichtig für unser Wohlbefinden ist“.

An der Veranstaltung nahmen Wissenschaftler und Vertreter aus Politik und Gesellschaft, der Bistümer, der kirchlichen Hilfswerke, des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), der Diözesanräte und katholischen Verbände teil. Bei der Veranstaltung diskutierten außerdem Bundesumweltministerin a. D. Dr. Barbara Hendricks, der Generalsekretär der Bundesstiftung Umwelt, Alexander Bonde, der Wirtschaftsökonom Dr. Linus Mattauch vom Institute for New Economic Thinking der Universität Oxford, Dr. Lukas Köhler MdB und Karin Kortmann von der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit in Berlin.

Das Projekt „Nachhaltige Entwicklung im Licht von Laudato si’“ ist auf vier bis fünf Jahre angelegt. Auf der Grundlage der Vorschläge und Diskussionen in dem Hearing wird die Sachverständigengruppe „Weltwirtschaft und Sozialethik“ weitere Schritte des Projekts planen.

Hinweise:
Die Ansprache von Erzbischof Dr. Ludwig Schick ist unten als pdf-Datei verfügbar.
Die Studie der Sachverständigengruppe Weltwirtschaft und Sozialethik: „Raus aus der Wachstumsgesellschaft? Eine sozialethische Analyse und Bewertung von Postwachstumsstrategien“ (2018) kann unter Publikationen als Broschüre bestellt oder als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Predigt von Bischof Dr. Stefan Oster (Passau)

26. September 2019 - 15:48

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
zweimal ist in diesem kurzen Text aus dem ersten Petrusbrief von der Freude die Rede und zweimal von Prüfungen. „Ihr seid voll Freude, obwohl ihr jetzt vielleicht kurze Zeit unter mancherlei Prüfungen leiden müsst“. Also, das mit den Prüfungen verstehen wir: Als Gemeinschaft von Glaubenden, als Kirche in Deutschland gehen wir derzeit durch jede Menge Herausforderungen und Prüfungen, die uns das Glauben nicht nur leicht machen. Die fürchterlichen Erkenntnisse aus der Missbrauchsstudie sind ein Aspekt davon und die herausfordernde Frage, wie wir damit umgehen, eine andere und eine bleibende, an denen wir fortwährend arbeiten.

Und natürlich stehen diese Fragen zugleich im großen Kontext von kulturellen und gesellschaftlichen Transformationen, die uns weiter und tiefer fragen lassen: Wie findet heute in dieser Gesellschaft und in dieser Kirche ein Mensch in den Glauben? Beispielsweise ein junger Mensch, der kritisch fragt und der Kirche in seinem normalen Umfeld von heute wahrnimmt? Er nimmt Kirche wohl in vielen Fällen als skandalisiert wahr oder als von gestern oder als eine schräge Organisation mit Verbotsmoral und unverständlichen Glaubensvorschriften. Wir müssen eingestehen, es gelingt uns als Kirche insgesamt eher dürftig, jungen Menschen zu zeigen, dass wir Gläubigen auch die sind, die, wie der Petrusbrief, sagt: „Voll Freude“ sind und zwar trotz der Prüfungen. Die Freude, sagt der Briefautor, kommt von Jesus: „Ihr habt ihn nicht gesehen, aber dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht, aber ihr glaubt an ihn und seid voll Freude, die vom Himmel kommt“, sagt er. Warum? Weil wir in Jesus das Ziel unseres Glaubens erreichen werden, unser Heil.

Wenn wir uns als Kirche also einerseits in Prüfungen erleben, wenn wir aber andererseits feststellen, dass uns die Freude bisweilen abgeht, dann kann das womöglich daran liegen, das uns etwas von der konkreten Erfahrung abhandengekommen ist, was wir das Heil nennen – und das in der Lage sein soll, uns so richtig froh zu machen.

Was ist das Heil, liebe Schwestern und Brüder? Und warum nennen wir Christus den Heiland? Ich möchte von der Schrift her vier Akzente herausheben, die mit diesem Heil zu tun haben. Der erste ist: Christus ist gekommen, um uns herauszuholen aus einem vergänglichen Leben, das vom biologischen Tod und vom geistlichen Tod bedroht ist. Der biologische Tod bedroht uns alle unausweichlich, aber der geistliche Tod ist Folge von Egozentrik, von Gottvergessenheit, von Sünde. Es gibt die Seite in uns, die von einem Leben mit Gott nichts wissen will, die Seite die Paulus Fleisch nennt. Die Seite, die keinen anderen Herrn im eigenen inneren Haus haben will, als sich selbst. Und eben das ist Verlorenheit in uns selbst. Aus der Dominanz dieser Verfassung will Christus uns zurückholen, er vergießt sein Blut – wie wir in jeder Hl. Messe hören – zur Vergebung der Sünden, um einen neuen Bund des Lebens mit uns zu schließen.

Christus will uns erstens herausholen aus dem geistlichen Tod und uns zweitens hineinnehmen in ein Leben, das nie mehr aufhört. In sein Leben, in seine Liebesgemeinschaft mit dem Vater, in sein Leben im Heiligen Geist, in sein Reich. Christen haben spätestens mit ihrer Taufe begonnen, jetzt schon, geheimnisvoll zuhause zu sein, in einem Leben, das nie mehr aufhört.

Und diese Zugehörigkeit schenkt drittens auch neue Identität: Wir sind die, die zu Gott „Vater“ sagen dürfen. Wir sind die, die ausdrücklich hineingenommen sind in die Gottesfamilie. Wir sind die, die neu geboren sind, die sein dürfen wie die Kinder. Wir sind die, die hineingenommen sind in die große Geschichte des Gottesvolkes von Anfang an. Wenn wir gefragt würden, was unsere tiefste Identität ausmacht, wäre unsere Antwort eigentlich nicht mehr zuerst: Wir sind Kinder unserer Eltern oder Angehörige unserer Familien oder Kinder unseres Landes oder gar Mitglied einer politischen Partei: Nein, als Getaufte sind wir Kinder des Vaters, Kinder der großen Gottesfamilie, Teilnehmer an der großen Geschichte des Gottesvolkes, herausgerufen aus der Verlorenheit und hineingesandt in die Welt.

Und das wäre dann auch das vierte Kennzeichen von Heil: Wer in Christus gründet oder wer im Vater Unser nicht nur einfach Vater sagt, sondern es auch innerlich so meint, wer etwas von der Erfahrung teilen kann, neu geboren zu sein, hinein ins Gottesvolk – so ein Mensch kann auch anders mit anderen Menschen leben. Er weiß sich aus tiefem Inneren gehalten, getragen, von einer Liebe, die nicht tot zu kriegen ist. Und eben deshalb kann er sich auch anders verschenken. Er muss sich nicht dauernd festhalten, er muss nicht dauernd Angst haben, zu kurz zu kommen, er muss nicht dauernd „Ich zuerst“ denken – er ist ja schon zuhause. Er kann also anders lieben – und andere einladen, Mitliebende zu werden und Miteingeladene ins Gottesvolk. Er kann auch mitleiden, mittragen, sich freuen und leiden mit den anderen, er kann die Not vor allem bei denen entdecken, die am Rand sind oder in unserer verwundeten Schöpfung.

Liebe Schwestern und Brüder, ich habe versucht, auf die wesentliche Kernerfahrung dessen zu zeigen, was wir das Heil in Christus nennen. Und ja, natürlich, neigen wir dazu, diese Dimension zu vergessen oder vielleicht eher noch, sie als allzu selbstverständlich vorauszusetzen. Die meisten von uns, ich auch, wir meinen ja einigermaßen im Kopf zu wissen, was wir glauben. Und wir setzen das dann selbstverständlich in uns und andern Gläubigen voraus. Und wir meinen vielleicht auch, das ist schon die Hauptsache des Glaubens. Aber tatsächlich sagt es noch nichts darüber, wie das im Kopf Gedachte oder Gewusste oder Geglaubte tatsächlich auch existenziell relevant wird, wie es wirklich Fundament unseres Lebens wird, als Einzelne und als Gemeinschaft.

Und wenn Sie mich fragen: Ist es heute möglich, uns als Getauften gegenseitig in diese existenzielle, lebensrelevante Überzeugung zu helfen oder auch neu zu helfen, dann würde ich sagen: Ja, natürlich ist es möglich. Die Kirche ist und bleibt auch in der Krise im Innersten sie selbst, Ort der Gegenwart Gottes, Sammlungsbewegung für das Heil Gottes, Familie mit dem einen Herrn Jesus und dem einen Vater – besonders in denen, die durch sein Wort und seine Heilsgaben auf ihn vertrauen. Der Herr verlässt uns nicht! Und deshalb ist die wichtigste Voraussetzung, um die Sehnsucht nach Heil auch in anderen zu wecken: mein persönliches Zeugnis, dein persönliches Zeugnis, unser gemeinsames Zeugnis, das Zeugnis der Freude über das Heil.

Freilich, die äußere Erscheinung der Kirche in der Krise macht es oft schwer, die Skandale und Skandalisierungen, die Verbrechen, die Gleichgültigkeit, das Fehlen von Leidenschaft und Heilserfahrung. All das führt heute dazu, dass sich viele abwenden und dass viele von denen, die noch da sind, zu einer Art beschämtem Beschwichtigungskatholizismus kommen – nach dem Motto: „Ich gehör schon noch dazu, trotz allem, immerhin tut die Kirche ja viel im sozialen Bereich“. Aber wenn wir so sprechen oder denken, sind wir noch nicht, was wir sein könnten: Frohe, einladende, ihres Heils bewusste Christinnen und Christen – mit einem missionarischen Geist, der sie wünschen lässt, dass das Heil auch zu den Vielen gelangt. Daher wird unsere eigene, persönliche Verantwortung als Zeuginnen und Zeugen im Leben der Kirche wichtiger und nötiger. Unsere Zeit braucht das Zeugnis der Heiligkeit, auch und besonders der schlichten Heiligkeit im Alltäglichen, von der Papst Franziskus spricht.

Liebe Schwestern und Brüder, wir Bischöfe haben uns aufgemacht mit vielen anderen Gläubigen, vor allem mit dem Zentralkomitee der Katholiken in Deutschland, einen so genannten Synodalen Weg zu gehen. Ich wünsche mir, dass es gut läuft, dass uns der Geist Gottes allen zuerst einmal von innen her zeigt, was wir schon an Unerhörtem geschenkt bekommen haben, Gottes Heil. Und ich wünsche mir, dass wir durch ernsthafte Begegnung, Debatten, durch gemeinsames Beten einen Weg finden, in dem zuallererst der Grund unserer Freude wieder neu ans Licht kommt: Unser Heil. Und ich wünsche mir dann auch, dass wir ernsthaft und aufrichtig miteinander an einem neuen Erscheinungsbild unserer Kirche arbeiten. Dazu gehört unter anderem, dass wir einander unterstellen, dass jeder für die Kirche und die Menschen das Gute will, dass wir ernsthaft und demütig die Meinung des anderen anhören und respektieren. Aber dazu gehört auch, dass wir hören, was wir aus der großen Gemeinschaft des ganzen Gottesvolkes empfangen. Und dass wir als Teil des ganzen Gottesvolkes unter der Leitung von Papst Franziskus auch unterscheiden lernen, was letztlich richtig, was möglich ist und was der Ehre Gottes und dem Heil der Menschen am besten dient. Ich möchte Sie herzlich einladen, bringen Sie sich selbst ein auf diesem Weg, wo Sie können. Und vor allem: Beten Sie für uns alle auf diesem gemeinsamen Weg der Kirche in Deutschland. Amen.

Abschlusspressekonferenz der Herbst-Vollversammlung 2019 der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda

26. September 2019 - 13:55

Die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ist heute (26. September 2019) zu Ende gegangen. Seit Montag haben die (Erz-)Bischöfe über vielfältige Fragen und Aufgaben beraten.

Wir dokumentieren den Pressebericht zur Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, den der Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, bei der Abschluss-Pressekonferenz am 26. September 2019 in Fulda vorgestellt hat.

Predigt von Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg)

25. September 2019 - 17:52

Evangelium: Lukas 9,7–9

Liebe Schwestern und Brüder,
Herodes, genauer gesagt Herodes Antipas, also nicht der König Herodes, war Tetrarch von Galiläa und damit der Landesherr Jesu. Er hatte dieses Amt über eine sehr lange Zeit inne, von 4 vor Christus bis 39 nach Christus. Dieser Herodes war eine schillernde Persönlichkeit. Das merken wir auch am heutigen Evangelium. Er tritt uns vor Augen als jemand, der neugierig ist, aufgeschlossen, der Jesus bewusst sehen will, der ihn kennenlernen möchte und der sich fragt: Wer ist denn dieser Jesus?

Viele Jahre später, beim Prozess gegen Jesus, tritt Herodes wieder auf den Plan. Auch da gibt es diese Interessiertheit. Herodes stellt viele Fragen. Insgeheim hofft er, Wunder zu erleben, Zeichen, irgendetwas Staunenswertes. Und dann kippt die Neugier des Herodes um in Spott und Hohn. Schließlich lässt er Jesus den Mantel umlegen, in dem er nur noch verhöhnt wird.

Liebe Schwestern und Brüder, Herodes stellt uns einiges vor Augen. Ein Erstes: Er will Jesus sehen. Aber was oder wen will er sehen? Geht es ihm um die äußere Gestalt oder geht es ihm um diese Zeichen, um Aufsehenerregendes, um etwas Spektakuläres? Wenn ich Jesus sehen möchte und ich glaube, dieser Wunsch steckt auch in uns drin, will ich dann jemanden sehen oder will ich eher etwas sehen? Will ich eine Person sehen oder etwas von und an ihr? Ein Zweites: Einen Menschen, eine Person sehen zu wollen, kann nie bedeuten, ein Objekt in den Blick zu nehmen. Deswegen lernt man einen Menschen auch nicht kennen, wenn man ihn noch so genau von außen anschaut. Es braucht ein inneres Sehen. Es braucht ein inneres Verhältnis zu einem Menschen, um ihn zu erkennen, um sein Persongeheimnis ein wenig zu lüften.

Deswegen nützt es gar nichts, Jesus von außen zu sehen, seine Gestalt, seine Größe, seine Haare, seine Hände und vieles andere mehr. Um Jesus wirklich kennenzulernen, kann es nur eines geben: ihn zu begleiten, mit ihm zu gehen, sich mit ihm auf den Weg zu machen.

Als die Jünger Jesus kennenlernen wollen und herausfinden wollen, wo er lebt, wo er wohnt, da gibt er ihnen nur die Antwort: Kommt und seht. Das heißt: Kommt, geht mit und dann werdet ihr etwas sehen. Deswegen besteht Jüngerschaft im Mitgehen und es ist aufschlussreich, dass das Lukasevangelium wie ein Reisebericht verfasst ist, wie eine Weggeschichte. Jesus ist auf dem Weg und andere schließen sich diesem Weg an und darauf erkennen sie ihn.

Herodes kommt mir vor wie ein Mann, der an den Start, geht aber diesen Weg nie beginnt. Wie jemand, der an der Startposition verharrt und nie aufbricht.

Liebe Schwestern und Brüder, der hl. Gregor von Nyssa predigt einmal über Mose und bringt darin einen wichtigen Gedanken auf den Punkt: „Gott nachfolgen, wohin er auch führt, ist: Gott sehen.“ Und wenn wir das vom Alten Testament auf das Neue übertragen, dann müssen wir sagen: Christus nachfolgen, das heißt, Christus sehen.

Vielleicht noch einen Gedanken dieses Heiligen, den er in diesem Zusammenhang äußert. Wer nachfolgt, schaut auf den Rücken dessen, dem er nachfolgt – vielleicht nicht immer, aber auch. Für mich heißt das: Unser Sehen bleibt immer auch unscharf, begrenzt, bruchstückhaft, unabgeschlossen. Es fordert sozusagen auf, immer noch einmal genauer hinzuschauen und tiefer zu sehen. Nachfolge geschieht in diesem Wechselspiel zwischen Sehen und Nichtsehen. Zwischen Sehen und immer noch tiefer sehen wollen.

Liebe Schwestern und Brüder, ich habe die Hoffnung, dass wir uns auf diesen Weg machen. Jesus tiefer zu sehen, dass wir darin wieder neu und stärker aufbrechen, ganz im Gegensatz zu Herodes. Ich bin der Überzeugung, je tiefer wir uns in Jesus Christus einsehen, umso transparenter können wir Jesus sichtbar und berührbar machen in dieser unserer Zeit. Meine Hoffnung ist nicht, dass zu allererst die Kirche ansehnlicher dasteht: Meine Hoffnung ist, dass wir uns in Christus einsehen und wir ihn ein wenig mehr aufscheinen lassen können und sichtbarer machen können in dieser Welt für die Herodes-Typen unserer Tage.

Pressegespräch zum Thema „Aktuelle Fragen zur Amazonassynode und zur Klimadebatte“

25. September 2019 - 12:03

Während der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda ist heute (25. September 2019) auch über die aktuelle Klimadebatte und die bevorstehende Außerordentliche Bischofssynode in Rom vom 6. bis 27. Oktober 2019 gesprochen worden. Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich mehrfach mit den Fragen von Klimawandel und Klimaschutz befasst. Die Bischofssynode unter dem Thema „Amazonien – neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“ wird diese und weitere, auch pastoraltheologische, Fragen erörtern. Sie ist eine Sonderversammlung von Bischöfen und Ordensvertretern aus Ländern der Amazonasregion im Vatikan, darunter die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen im Amazonasgebiet sowie weitere Bischöfe, Ordensleute und Experten.

Wir dokumentieren hier die Statements aus dem Pressegespräch in Fulda von

  • Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen), Vorsitzender der Unterkommission für Lateinamerika (insbesondere Adveniat) der Deutschen Bischofskonferenz,
  • Weihbischof Rolf Lohmann (Münster), Vorsitzender der Arbeitsgruppe für ökologische Fragen der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz,
  • Msgr. Pirmin Spiegel (Aachen), Hauptgeschäftsführer von Misereor und Teilnehmer der Amazonassynode,
  • Prof. Dr. Andreas Löschel (Universität Münster), Klimaexperte und Mitautor des Dokumentes „Zehn Thesen zum Klimaschutz“.

 

Hinweise:

Weiterführende Informationen zur Bischofsversammlung im Vatikan sind auf der Themenseite „Amazonassynode 2019“ verfügbar.

Bischof Ackermann informiert über Beratungen der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz zu Konsequenzen aus der MHG-Studie

25. September 2019 - 10:56

Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier), Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes, hat heute (25. September 2019) gemeinsam mit Matthias Katsch, Mitgründer und Sprecher der Initiative Eckiger Tisch e. V., die Presse über Beratungen der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz zu Konsequenzen aus der MHG-Studie informiert. Im Mittelpunkt der Beratungen des gestrigen Tages stand die Frage nach der Überprüfung und Weiterentwicklung des Verfahrens zu Leistungen in Anerkennung zugefügten Leids. Bischof Dr. Stephan Ackermann hat dazu erklärt:

„Schwerpunkt unserer Beratungen war die Überprüfung und Weiterentwicklung des Verfahrens zu Leistungen in Anerkennung des erlittenen Unrechts. Bereits das bisherige  Verfahren ermöglicht in Fällen, in denen z. B. wegen eingetretener Verjährung oder des Todes Beschuldigter kein durchsetzbarer Anspruch auf Leistungen an Betroffene  besteht, auf möglichst unbürokratische Weise eine Anerkennung des erlittenen Leids, unter anderem in Form einer materiellen Leistung. In diesem Verfahren sind seit 2011 rund 2.100 Anträge bearbeitet worden.

Grundlage der Beratungen war zunächst ein Workshop am 27. Mai 2019, an dem 28 fachkundige Personen aus Kirche und Gesellschaft, unter ihnen auch mehrere Betroffene, Vorschläge für eine Reform des aktuellen Systems diskutiert haben. Anschließend wurde eine unabhängige Arbeitsgruppe mit der Auswertung der dort diskutierten Ideen und Anregungen zur Weiterentwicklung des Verfahrens beauftragt. Diese Arbeitsgruppe hat einen ersten Entwurf am 6. September 2019 mit dem gleichen Personenkreis nochmals diskutiert, überarbeitet und uns Bischöfen bei der Herbst-Vollversammlung erstmals präsentiert. Diese Expertengruppe besteht aus: Dr. Bettina Janssen (Mediatorin und Rechtsanwältin), Matthias Katsch (Betroffenenorganisation Eckiger Tisch e.V.), Roswitha Müller-Piepenkötter (Justizministerin NRW a. D., Bundesvorsitzende des Weißen Rings a. D.) und Prof. Dr. Stephan Rixen (Universität Bayreuth).
Die Bischöfe sind dankbar für die geleistete Arbeit und die Empfehlungen der Gruppe. Nach einer ausführlichen Aussprache haben sie den Auftrag gegeben, auf der Grundlage dieser Empfehlungen zügig an der Weiterentwicklung des Verfahrens zur Anerkennung von erlittenem Unrecht weiterzuarbeiten. Dazu sind eine Reihe von Fragen zu klären, insbesondere: Soll es künftig ein kombiniertes System aus einem Grund-Schmerzensgeld (Anerkennung) geben und einer darüber hinausgehenden Form der Entschädigung? Strebt man eine Fondslösung an? Wie sieht die Struktur der Gremien aus, die über die Anerkennungsleistungen entscheiden? Wie wird die Höhe der Anerkennungsleistungen so gestaltet, dass für die Betroffenen eine höhere Zufriedenheit erreicht wird, die aber von den Bistümern und Ordensgemeinschaften auch geleistet werden kann?“

Predigt von Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln)

25. September 2019 - 7:00

Gedenktag Nikolaus von Flüe


Liebe Schwestern, liebe Brüder,

„geht zu den Heiligen, denn die mit ihnen gehen, werden geheiligt werden“. Dieses Wort stammt aus dem Clemensbrief. Einer der ersten Bischöfe schrieb ihn an die Gemeinde von Rom. Eine Empfehlung, die es uns schwer macht, sich mit gewissen Heiligen auf den Weg zu machen. Denn wer will sich schon mit Nikolaus von Flüe auf den Weg machen, der als angesehener Ratsherr und Richter nach langen Familienjahren seine Frau Dorothea, seine zehn Kinder und den Bergbauernhof in Flüeli verließ, um als Pilger und später als Einsiedler im sog. Ranft Gott allein zu dienen.

Bruder Klaus gilt als der letzte große Mystiker des Mittelalters. Bestürzende Visionen, Teufelskämpfe und ein bewegendes Gebetsleben bewirkten in diesem erdverbundenen Bauern eine tiefgreifende Veränderung. Sein Glaube und sein religiöses Wachsein zeigten sich nicht in äußerer Betriebsamkeit, sondern genau umgekehrt in seiner Innerlichkeit. Viele Menschen suchten ihn in seiner Einsiedelei auf. Und das trotz äußerst beschwerlicher Wege. Mit scharfem Blick und prophetischem Geist erkannte er oftmals im Voraus schon, ob die Menschen aus Neugierde oder mit einem Anliegen kamen. Nie gab er generelle Antworten, sondern befasste sich mit der besonderen Not und Gewissensnot der Menschen. Walter Nick, der Schweizer Hagiograph, hat später einmal festgestellt, dass die Schweiz wohl nie einen größeren Seelsorger hervorgebracht hat als eben diesen Bruder Klaus.

Vor allem aber gilt Bruder Klaus als der große Friedensstifter und Friedenssucher. Nachdem die Eidgenossen Karl den Kühnen in einem Krieg geschlagen hatten, drohten sie sich in einem anschließenden Bürgerkrieg selbst zu zerfleischen. Bruder Klausens Rat rettete damals die sogenannte Stanzer Tagsatzung von 1481 und den Eidgenossen den Frieden.

Aber nicht nur um den politischen Frieden war Bruder Klaus besorgt, sondern vor allem auch um den persönlichen Frieden jedes Einzelnen. Wer die Wahrheit sucht, ist auf dem Weg zum Frieden. Das war seine tiefste Überzeugung. Dahinter verbirgt sich die Erfahrung, dass Friede nicht einfach von außen wird, dass unser Tun nicht genügt. Die Erfahrung, die er als junger Richter machte, verhalf ihm zu dieser Einsicht. So kämpfte er zum Beispiel für das Recht einer unschuldig Angeklagten. Seine Amtskollegen ließen sich bestechen. Er konnte das ungerechte Urteil nicht verhindern. Aus den Mündern seiner Kollegen sah er Flammen sprühen. Er sah der Falschheit in den offenen Rachen und konnte ihr nicht wehren. Dieses Erlebnis bewegte ihn, auf andere Weise gegen Unrecht anzugehen. Er legte das Richteramt nieder. Ohne Vorrangstellung, ohne äußere Macht und Sicherheit stellte er sich auf neuer Ebene in den Dienst des Friedens und der Gerechtigkeit. In der Nachfolge des gewaltlosen Jesus trug er von innen her den Frieden durch den Unfrieden hindurch. Immer tiefer erkannte er, dass wirklicher Friede nur von Gott kommt und dass nur, wer diesen Frieden in sich trägt, Frieden stiften kann. Nichts ist stärker als Gott. Wer in der Einheit mit Gott lebt, ist stärker als Unfriede. Friede aus Gott ist unzerstörbar, wie Gott selbst unzerstörbar ist. Dieser Friede war deshalb sein Ziel. Dieser Friede blieb seine Aufgabe.

Es genügt ja nicht, Friede einmal erreicht zu haben. Friede in Gott, Friede aus Gott, will unablässig gesucht und geübt werden. Daraus erwächst für Bruder Klaus jene geheimnisvolle Kraft, die jede Spannung aushält. Darum schreibt er an den Rat von Bern: „Friede ist allweg in Gott, denn Gott ist der Friede, und der Friede mag nicht zerstört werden …“. Es ist der Friede, der in Christus sichtbar geworden ist und den Christus seinen Jüngern weitergeben wollte: „Meinen Frieden gebe ich euch, nicht, wie die Welt ihn gibt“ (Joh 14,27). Was nicht wiedergeboren wird aus Gottes Geist, bleibt ungeeint. Was getrennt ist von Gott, ist in sich selber uneins und muss darum auseinanderfallen. Im Matthäusevangelium mahnt der Herr deshalb: „Jedes Reich, das in sich gespalten ist, wird veröden und eine Stadt und eine Familie, die in sich gespalten ist, wird keinen Bestand haben“ (Mt 12,25).

Die gewaltige Vision vom Zusammensturz einer im Eigennutz festgefahrenen Welt schließt diese Perspektive auf. Der Eigennutz wird zur zerstörerischen Krankheit des Menschen, schwächt ihn bis zur Unfähigkeit, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Das eigenmächtige Treiben stürzt ihn in tödlichen Abgrund. Bruder Klaus benennt es in dem eben schon angesprochenen Brief an den Rat von Bern mit einfachen, unmissverständlichen Worten: „Unfriede aber zerstört“. Unfriede und Unrecht tragen den Keim der Zerstörung in sich. Darum gilt es für Christen, immer den Kampf für den Frieden zu kämpfen, für Recht einzustehen und dem Unrecht zu wehren.

Für Bruder Klaus beginnt dieser Kampf im eigenen Herzen, dort, wo Eigennutz und Machtgier ihre Wurzeln haben. Um Körper und Geist zu läutern und für den vollen Friedenseinsatz verfügbar zu machen, übt Nikolaus hartes Fasten, körperliche Zucht, bewusstes Wachen und Beten. Sein Sohn Hans berichtet im Kirchenbuch von Sachseln davon: „So lang er gedenke, habe sein Vater immer … nach Frieden getrachtet … und die Gerechtigkeit liebgehabt, auch alle Wochen vier Tage, nämlich Montag, Mittwoch, Freitag und Samstag gefastet und die ganze Fasten aus alle Tage nicht mehr als einmal ein kleines Stücklein Brot oder ein wenig dürrer Birnen gegessen und sonst keine warme, noch andere Speise gebraucht. Am Abend sei er stets mit seinem Hausvolk zur Ruhe gegangen, aber jede Nacht, wenn immer er erwachte, so hörte er, dass sein Vater wieder aufgestanden war und in der Stube bei dem Ofen betete, bis dass er in den Ranft ging. Er habe auch stets alle zeitliche Gewalt und Ehre verschmäht …“.

Bruder Klaus, liebe Schwestern und Brüder, kämpfte auf einer Ebene, auf der er keine Verteidigung nötig hatte. Er legte das letzte Schutzzeichen ab, indem er seine Kleider mit dem Büßerrock und dem Rosenkranz vertauschte. Sie waren nicht gelegentliche Ausrüstung, sondern blieben sein ständiges Gewand. Bruder Klaus zog sich von allem Äußeren zurück. Er stieg in die eigene Tiefe hinunter, um ganz von innen her gewandelt zu werden. Er öffnete sich dem Göttlichen, ließ alles los, was ihn von der Quelle des Friedens hätte ablenken können. Seinen Weg zu dieser Quelle des Friedens finden wir zusammengefasst in seinem Gebet, das damals wie heute von höchster Aktualität ist:

Mein Herr und mein Gott
nimm alles von mir
was mich hindert zu dir.
Mein Herr und mein Gott
gib alles mir
was mich führt zu dir.
Mein Herr und mein Gott
nimm mich mir und gib
mich ganz zu eigen dir. Amen.



Deutsche Bischofskonferenz richtet Brief an UN-Gipfel für Nachhaltigkeit

24. September 2019 - 15:04

Die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz hat heute (24. September 2019) einen Brief an den in New York tagenden Nachhaltigkeitsgipfel gerichtet. Das Dokument ist vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, unterzeichnet. Wir dokumentieren den Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Generalsekretär,
sehr geehrte Damen und Herren!

Wenige Tage nach dem Weltklimastreik der Fridays for Future-Bewegung, an der sich viele Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche der katholischen Kirche beteiligt haben,  sind die deutschen Bischöfe in Fulda zu ihrer Herbst-Vollversammlung zusammen gekommen. Wir spüren, dass – neben allen innerkirchlichen Debatten – die Frage nach Klima, Klimagerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung eines der dringendsten Themen der Menschheit ist.

Wir katholischen deutschen Bischöfe haben uns in den vergangenen Monaten und Jahren gemeinsam mit vielen Gläubigen immer wieder mit den Forderungen befasst, die der Klima- und Umweltschutz an uns stellt. Wir tun das, weil wir als Christen glauben, dass Gott die Welt geschaffen und den Menschen anvertraut hat. Daraus erwächst der klare Auftrag, die Schöpfung zu bewahren. Für Papst Franziskus ist die Schöpfung, die er das „Lebensnetz“ nennt, ein Ort der Begegnung nicht nur der Menschen untereinander, sondern auch der Menschen mit Gott. Dieses Lebensnetz droht zu reißen, gerade durch den Klimawandel.

So sagt Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato si’: „Der Klimawandel ist ein globales Problem mit schwerwiegenden Umwelt-Aspekten und ernsten sozialen, wirtschaftlichen, distributiven und politischen Dimensionen; er stellt eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit dar.“

Auch mit Blick auf die Amazonas-Synode, die in wenigen Tagen in Rom beginnt, appellieren wir an Sie:
Helfen Sie mit, der Menschheit begründete Hoffnung zu vermitteln, dass die Schöpfung nicht verloren ist. Übernehmen Sie Mitverantwortung zum Erhalt der Schöpfung. Wir sehen, dass die Zeit drängt. Es ist dringend, aber noch nicht zu spät. Die Zeit rinnt dahin, aber noch haben wir die Kraft und die Chance, das Ruder herumzureißen. Wir bitten Sie, mit Ihrer Kraft eine Vernetzung über nationale Grenzen hinaus zu realisieren, um mit konkreten gesetzlichen Regelungen, spürbaren Verpflichtungen und ordnungspolitischen Maßnahmen der Welt zu zeigen, dass der Nachhaltigkeitsgipfel von New York konkretes Handeln ermöglicht. Gerade die junge Generation hat uns alle – weltweit – in den zurückliegenden Monaten darauf aufmerksam gemacht.

Wir wissen, dass Sie nicht erst heute beginnen, sondern schon lange nach Lösungen suchen. Jetzt aber ist die Zeit, in der wir handeln müssen, in der wir nicht länger nur Beschlüsse fassen können, sondern konkret am gemeinsamen Haus der Schöpfung arbeiten müssen.

Den Einsatz für das Weltklima und die Bewahrung der Schöpfung auf später zu verschieben, geht nicht mehr. Dann ist es zu spät. Wir sind aufgefordert, heute schon das Morgen zu denken, für uns und die kommenden Generationen.

Papst Franziskus schreibt in Laudato si’: „Die Menschheit besitzt noch die Fähigkeit zusammenzuarbeiten, um unser gemeinsames Haus aufzubauen.“ An diese Fähigkeit glauben wir. Auf Ihre politische Kraft bauen wir. An dieser Verantwortung für das gemeinsame Haus nehmen wir als Kirche teil.

Wir wünschen Ihren Beratungen viel Erfolg.

Mit freundlichen Grüßen

Reinhard Kardinal Marx

Verfahren zu Leistungen in Anerkennung zugefügten Leids wird weiterentwickelt

24. September 2019 - 14:55

Nach der Veröffentlichung der MHG-Studie am 25. September 2018 in Fulda haben die deutschen Bischöfe unter anderem beschlossen, das Verfahren zu Leistungen in Anerkennung zugefügten Leids aufgrund der Studie sowie der Erfahrungen der zurückliegenden Jahre fortzuentwickeln. Diese hat am 27. Mai 2019 mit einem Workshop in Bonn begonnen, an dem 28 fachkundige Personen aus Kirche und Gesellschaft teilnahmen. Dazu gehörten Betroffene, Experten aus Wissenschaft, Beratung sowie staatlichen und kirchlichen Stellen.

Auf Grundlage dieses Workshops wurde eine unabhängige Arbeitsgruppe beauftragt, einen Vorschlag für die Überarbeitung des bisherigen Verfahrens zu erstellen. Die Arbeitsgruppe wurde von Prof. Dr. Stephan Rixen (Universität Bayreuth) geleitet. Außerdem gehörten dazu Dr. Bettina Janssen (Mediatorin und Rechtsanwältin), Roswitha Müller-Piepenkötter (NRW-Justizministerin a. D., Bundesvorsitzende a. D. des Weißen Rings) und Matthias Katsch (Betroffenenorganisation Eckiger Tisch e. V.) Die Vorschläge der Arbeitsgruppe wurden mit dem Personenkreis vom ersten Workshop am 6. September 2019 diskutiert und anschließend nochmals überarbeitet. Heute (Dienstag, 24. September 2019) stellt die unabhängige Arbeitsgruppe ihre Ergebnisse der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda vor. Wir dokumentieren die Vorschläge.

„Evangelisierung und Globalisierung“: Deutsche Bischofskonferenz stellt neues Dokument über die Weltmission vor

24. September 2019 - 12:56

Unter dem Titel Evangelisierung und Globalisierung hat die Deutsche Bischofskonferenz heute (24. September 2019) in Fulda ein neues Dokument zur weltweiten Mission vorgestellt. Anlass der Veröffentlichung ist der von Papst Franziskus ausgerufene außerordentliche Monat der Weltmission (Oktober 2019). Das Bischofswort knüpft an zwei frühere Worte der Deutschen Bischofskonferenz an, die im zurückliegenden Jahrzehnt vorgelegt wurden: zum einen „Zeit zur Aussaat. Missionarisch Kirche sein“ (2000), ein Dokument, das den Blick auf die Situation in Deutschland richtet, zum anderen „Allen Völkern Sein Heil. Die Mission der Weltkirche“ (2004). Das neue Bischofswort analysiert die globalen Entwicklungen der Gegenwart und der jüngeren Vergangenheit und fragt nach deren Bedeutung für die Weiterentwicklung der christlichen Mission.

„Der Aufruf Jesu, das Evangelium ‚bis an die Grenzen der Erde‘ (Apg 1,8) zu verkünden, galt vor 2.000 Jahren – und er gilt heute. Selbstgenügsamkeit und Selbstbezüglichkeit sind der Kirche zu keiner Zeit gestattet“, erklärte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), bei der Präsentation des neuen Missionswortes. Die Kirche habe den Auftrag, „Gottes Sorge für alle Menschen in jeder geschichtlichen Stunde zu bezeugen“. Sie könne die Menschen mit der Botschaft des Glaubens jedoch nur erreichen, wenn sie die heutige Weltsituation, die Lebenswelten und die prägenden kulturellen Entwicklungen begreife und berücksichtige. Das neue Bischofswort lege dar, dass die aktuelle weltgesellschaftliche Situation durch eine fortschreitende Globalisierung, das heißt eine Vernetzung aller Lebenssphären (z. B. Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur), durch Migration und weltumspannende Informations- und Kommunikationstechnologien charakterisiert sei. Auf der religiösen Ebene werde das Zeitalter durch Pluralisierung und Differenzierung ebenso wie durch Säkularisierung und Fundamentalismus bestimmt.

Mission, so Erzbischof Dr. Schick, habe im Laufe der Kirchengeschichte stets eine Übersetzung der Frohen Botschaft bedeutet: eine Übersetzung der Schriften in die verschiedenen Sprachen, aber auch eine Übersetzung in die kulturellen Kontexte hinein. Angesichts der Globalisierung sei es heute notwendig, die Kirche stärker als globalen Akteur und als weltweites Netzwerk zu gestalten: „Um die Chancen zu nutzen, die die heutige Situation für die Verbreitung des Glaubens bietet, ist es erforderlich, dass wir uns als Kirche immer mehr und intensiver als globale Gebets-, Solidar- und Lerngemeinschaft vollziehen. Auch in Deutschland dürfen wir der Gefahr eines kirchlichen Provinzialismus nicht erliegen, sondern müssen – sehr viel zupackender noch als in der Vergangenheit – am Netz der Weltkirche mitknüpfen.“ Dies sei eine Aufgabe der Amtsträger und der Missionare, ebenso aber auch jedes einzelnen Christen. Erzbischof Schick verwies in diesem Zusammenhang auf die Vielzahl von internationalen Partnerschaften zwischen Diözesen und Kirchengemeinden und auf Dienste wie die „Missionare auf Zeit“, die von jungen Leuten übernommen würden. Auch die Unterstützung der kirchlichen Hilfswerke sei ein Teil der globalen Netzwerkbildung in der Weltkirche. Das neue Bischofswort unterstreiche, wie Erzbischof Schick betonte, die Einheit von Glaubensverkündigung und sozialem Auftrag in der christlichen Mission: „Das Mühen um Frieden und Gerechtigkeit ist Teil der kirchlichen Mission, es gehört zur Verkündigung des Reiches Gottes.“

Prof. Dr. Margit Eckholt (Universität Osnabrück) hob die im Bischofswort beschriebene zentrale Wechselbeziehung von Ortskirche und Weltkirche im Zeitalter der Globalisierung hervor: „Kirche ist immer konkret, ‚vor Ort‘, aber genau hier ist die ‚Welt‘ präsent. Wir schließen uns nicht in unseren ‚Kontexten‘ ab, wir nehmen immer mehr wahr, was sich an anderen Orten ereignet, wir sind herausgerufen, Verantwortung über unsere Ortskirche hinaus wahrzunehmen.“ Prof. Eckholt spannte einen Bogen zum Missionsverständnis von Papst Franziskus, das im Wort der deutschen Bischöfe ausdrücklich bekräftig werde. So akzentuiere das Dokument ein Verständnis von Evangelisierung, in dem sich die mystische und politische Dimension des Evangeliums verbinden: Zum einen bedeute es das „Eintreten für Menschenwürde, für Gerechtigkeit und Frieden und Kritik an jeglicher Form von ‚Gleichgültigkeit‘ angesichts des Leidens der anderen“. Außerdem meine Evangelisierung im Sinne von Papst Franziskus auch „Selbstkritik, aufzubrechen aus unseren Egoismen, mit Hochachtung Glaubenden anderer christlicher Konfessionen und anderer Religionen zu begegnen, gemeinsam auf den je größeren Gott hin zu wachsen – im Dienst am guten Leben und der ‚Sorge für das gemeinsame Haus‘“.

Professor em. P. Dr. Michael Sievernich SJ (Mainz/Frankfurt) erläuterte anhand der Etappen der christlichen Missionsgeschichte, wie es der Kirche bei allen Brüchen gelungen sei, Übersetzungsprozesse des Evangeliums in die unterschiedlichen Kulturen zu gestalten. Vor dieser Aufgabe stehe die Kirche auch im Zeitalter der Globalisierung. Er beschrieb die Kirche als „lernendes Sozialsystem, das auf Wandel reagieren und sich daher selbst reformieren kann, ohne an eine bestimmte Kultur oder Politik gebunden zu sein“. Der Erfolg der missionarischen Bemühen werde aber in hohem Maße davon abhängig sein, „dass die Mitglieder der Teilkirchen in aller Welt mit der Aufgabe der Evangelisierung bei sich selbst anfangen, also Selbstevangelisierung betreiben.“

Hinweise:
Die Statements von Erzbischof Schick, Prof. Dr. Eckholt sowie Professor em. P. Dr. Sievernich SJ sind unten als pdf-Dateien verfügbar.
Das Dokument Evangelisierung und Globalisierung aus der Reihe „Die deutschen Bischöfe“ (Nr. 106) kann in der Rubrik Publikationen als Broschüre bestellt oder heruntergeladen werden.

Herbst-Vollversammlung 2019 in Fulda: Kardinal Woelki und Bischof Genn halten Impulsreferate zum Papstbrief

24. September 2019 - 12:11

Die deutschen Bischöfe beraten heute (24. September 2019) in ihrer Herbst-Vollversammlung über den Brief, den Papst Franziskus am 29. Juni 2019 an „das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ geschrieben hat. Zum Auftakt dieser Beratungen haben Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln) und Bischof Dr. Felix Genn (Münster) Impulsreferate gehalten, die wir hier dokumentieren.

Eröffnungsgottesdienst der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda

24. September 2019 - 8:51

Mit einem feierlichen Gottesdienst ist heute Morgen (24. September 2019) die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Fuldaer Dom eröffnet worden. An der Vollversammlung nehmen 65 Mitglieder der Bischofskonferenz teil. Bereits gestern hatte der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, zu den Bischöfen gesprochen.

In seiner Predigt erinnerte Kardinal Marx an die Ursprungssituation der Botschaft Jesu. „Sicherlich wäre es schön, eine Zeitreise zu machen, in die Vergangenheit und in die Zukunft. Ich würde gerne 1.000 Jahre in die Zukunft reisen und schauen, wo die Kirche steht. Auch wäre es schön, in die Vergangenheit zu reisen, um einen Moment in der Zeit Jesu zu leben. Dann würden wir Zeugen dessen, was Jesus verkündigt hat. Dann könnten wir ihn erleben, wie er aufgebrochen ist, um neue Wege zu gehen“, so Kardinal  Marx. „Die Predigt vom Reich Gottes war ein Zentrum der Verkündigung Jesu. Ihm ging es um eine neue Gottesbeziehung und um die Frage, was das Neue sei, um von Gott zu sprechen. Jesus gibt die Antwort selbst: Die Wirklichkeit Gottes ist unter Euch. Gott schenkt Euch diese Wirklichkeit. Ihr müsst nur die Augen und Ohren und Herzen öffnen!“

Das eindrucksvolle an der Person Jesu sei, so Kardinal Marx, dass er sich habe unmittelbar berühren lassen, von den Kranken, Verwundeten, Elenden und Besessenen. „Jesus geht an den  Realitäten nicht vorbei. Er vergibt Sünden. Und vor allem sagt er: Glaube nur! Steh auf! Was ist das für ein großartiges Wort der Aufrichtung und Ermutigung, das wir als Kirche gerade heute brauchen.“

Was damals vor 2.000 Jahren kaum denkbar gewesen sei, schaffe Jesus jetzt neu: „Er ruft dazu auf, eine neue Menschheitsfamilie zu gründen, neue Netzwerke zu schaffen, was wir Gemeinden nennen. Das ist das Überraschende bei Jesus, denn diese Form der Netzwerke war in der Antike im Sinne einer neuen Gemeinschaft nicht vorgesehen“, betonte Kardinal Marx. „Dieses Modell lässt alles Alte zurück, die Grenzen der Nationen, der Geschlechter, der Ungleichheit, der Unterdrückung. Es entsteht eine neue Gemeinschaft – die Kirche. Eine neue Bewegung, eine Gemeinschaft über alle Völker und Barrieren hinweg. Das ist das Neue an der Botschaft Jesu, woran wir uns auch heute messen lassen müssen!“

Kardinal Marx erinnerte daran, dass hier der Auftrag der Kirche liege, sich immer wieder auf den Anfang zurückzubesinnen, aber nicht in falsch verstandener Nostalgie. Die Botschaft Jesu fordere auf, stets neu zu beginnen. „Es gibt keine goldene Zeit der Vergangenheit oder eine Zeit, wo einfach alles besser war. Die Forderung Jesu lautet: Jetzt ist die Stunde, jetzt ist die Zeit, heute wird getan oder auch vertan worauf es ankommt, wenn er kommt. Euer und unser Gebet soll uns als Kirche in Deutschland helfen, unser Herz zu öffnen, immer neu anzufangen und das in Gang zu bringen, was uns notwendig erscheint. So bleibt die Person Jesus von Nazareth lebendig. So ist er nicht Vergangenheit sondern lebendige Gegenwart unseres Glaubens. Mit ihm und dieser Gegenwart gehen wir gestärkt unseren Weg als Kirche mit den kommenden Generationen.“

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